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Ostern im Vatikan: Papst Leo setzt auf Tradition statt Erneuerung

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06.04.2026

Das erste Ostern des neuen Papstes Tradition statt Erneuerung

Meinung · Bei seinem ersten Osterfest im Amt machte Leo XIV. einiges anders als sein Vorgänger Franziskus. Die Botschaft dahinter scheint klar – doch wird sie auch ankommen?

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Papst Leo XIV. bei der Ostermesse auf dem Petersplatz.

Zu Ostern sind die Augen der katholischen Gläubigen rund um die Welt ohnehin gen Rom gerichtet. Doch es ist anzunehmen, dass dieses Osterfest unter besonderer Beobachtung stand: Genau ein Jahr ist es her, dass Papst Franziskus starb, am Morgen des Ostermontags. Sein Nachfolger wird seit seinem Amtsantritt gern als Friedensbotschafter bezeichnet und musste sich an seinem ersten Osterfest im Amt an diesem Anspruch messen lassen.

Und natürlich ging es in seiner Predigt am Ostersonntag um Frieden. Allerdings war sein Aufruf, Kriegsmächte möchten die Waffen niederlegen und zum Dialog übergehen, gerade zu Ostern alles andere als ein überraschender Akt. Zumal Leo XIV. die Friedensbotschaft, anders als zuletzt Franziskus, bezeichnend allgemein hielt und sich gewissermaßen an alle richtete.

Zwar war der amtierende Papst offenkundig bemüht, die Erinnerung an Franziskus wachzuhalten, indem er in seiner Osterpredigt wiederholt Bezug auf ihn nahm. Doch an anderer Stelle war seine Abgrenzung deutlich: Statt bei der traditionellen Fußwaschung am Gründonnerstag symbolträchtig Migranten oder Häftlingen die Füße zu waschen, wie es sein Vorgänger getan hatte, und damit den Fokus auf die zu richten, die abseits der Gesellschaft stehen oder von ihr besonders vernachlässigt werden, kehrte Papst Leo XIV. zur traditionellen Praxis zurück und widmete sich stattdessen zwölf Priestern.

Die Botschaft, die der Papst nach einem knappen Jahr im neuen Amt vermittelte, war damit eher eine selbstreferenzielle als eine globale: Die Kirche ist in sich geeint und traditionsbewusst. Um Erneuerung ging es augenscheinlich nicht, sondern um Beständigkeit.

Angesichts schwindender Mitglieder und der Missbrauchsskandale innerhalb der Glaubensgemeinschaft sowie globaler Krisen und wachsender Hoffnungslosigkeit außerhalb scheint man sich unter Leo XIV. auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu fokussieren: Wir vermitteln euch vertraute Verlässlichkeit und Halt.

Das Anliegen hinter dieser Botschaft ist nachvollziehbar. Ob sie wirklich das ist, was die christliche Gemeinschaft in diesen Zeiten braucht, ist eine andere Frage.


© RP Online