Wahl in Baden-Württemberg: Warum die AfD trotz Markus Frohnmaier zulegte
Wahl in Baden-Württemberg Warum die AfD trotz Markus Frohnmaier zulegte
Analyse | Berlin · Die AfD ist in Baden-Württemberg drittstärkste Kraft. Aber haben die Rechtspopulisten wegen ihrer Inhalte und ihres Spitzenkandidaten so stark zugelegt? Oder gelang ihnen das trotz Markus Frohnmaiers Wahlkampf?
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Stuttgart: AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier (M) am Wahlabend in der AfD-Landesgeschäftsstelle.
Eine der Lehren aus der Landtagswahl in Baden-Württemberg: Kandidaten gewinnen, wenn sie bekannt sind und durch ihre Persönlichkeit überzeugen. Doch bei der AfD gilt das offenbar nicht: Mit Markus Frohnmaier trat ein bundesweit eher wenig bekannter Kandidat an, für den die Landespolitik zuletzt nicht im Mittelpunkt stand. Im Wahlkampf kehrte er den Wählern sogar sinnbildlich den Rücken zu.
Und doch erzielte die AfD ein bemerkenswertes Ergebnis: Sie blieb zwar leicht unter den Umfragen, wurde aber im Südwesten drittstärkste Kraft hinter den Grünen und der CDU. Mit fast 19 Prozent erreichte sie auch ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Westdeutschland. Gegenüber 2021 legte die Partei deutlich zu: Die Landes-AfD, die der Verfassungsschutz als rechtsextremistischen Verdachtsfall beobachtet, konnte ihr Ergebnis fast verdoppeln. Bundesparteichef Tino Chrupalla bewertete das Ergebnis mit den Worten: „Wir sind jetzt auch in Baden-Württemberg Volkspartei.“
Frohnmaiers USA-Reise
Spitzenkandidat Markus Frohnmaier (35) sah seine Schwerpunkte in den vergangenen Wochen jedoch vor allem jenseits von Baden-Württemberg. Am deutlichsten zeigte sich das, als der Bundestagsabgeordnete mitten im Wahlkampfendspurt in die USA reiste, um dort an einer Konferenz mit Rechtsaußen-Politikern aus dem Umfeld von Donald Trump teilzunehmen.
Im ZDF antwortete AfD-Chefin Alice Weidel auf die Frage, ob die Reise Frohnmaiers in der heißen Phase des Wahlkampfs geschadet habe, knapp mit: „Es war seine Entscheidung.“ Frohnmaier habe dort Treffen gehabt, die aus seiner Sicht wichtig für die Wirtschaft in Baden-Württemberg gewesen seien. Der baden-württembergische AfD-Landesverband ist übrigens auch der von Weidel. Ein gemeinsamer Auftritt – die in Stuttgart geplante Wahlnachlese mit Chrupalla und Weidel – wurde kurzfristig und ohne Begründung abgesagt.
Zudem hat Frohnmaier noch nicht einmal für ein Landtagsmandat kandidiert. Er trat nur an, um Ministerpräsident zu werden. Im Bundestag ist er Außenpolitiker der AfD-Fraktion, beschäftigt sich also mit aktuellen Krisen und Kriegen. Zuletzt war er mit Vorwürfen zur AfD-Vetternwirtschaftsaffäre konfrontiert. Frohnmaier bestätigte, dass mehrere Mitglieder seiner Familie, darunter sein Vater und seine Schwester, für AfD-Politiker aus seinem Landesverband arbeiten. Er wies die Vorwürfe der Vetternwirtschaft zugleich scharf zurück und sprach von einer „Anti-AfD-Kampagne“.
Politische Forderungen oder „Denkzettel“?
Doch was sind die Gründe, dass die Rechtspopulisten trotz eines Kandidaten, der sich kaum zum Zugpferd eignet, derart stark zulegten? Bei der Landtagswahl wurde die AfD laut einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen nach Ansicht von 62 Prozent der Befragten „als Denkzettel“ und nach der Meinung von nur 32 Prozent wegen ihrer politischen Forderungen gewählt. Die Partei punktete Beobachtern zufolge in traditionalistisch geprägten, ländlichen Regionen mit Themen wie traditionelle Familienbilder und Patriotismus, aber auch mit dem Kampf gegen Windkraft sowie das Verbrenner-Aus, gerade eben in den Hochburgen der Autoindustrie.
Insofern macht die Wahl in Baden-Württemberg auch deutlich: Wo der Frust besonders groß ist, tun sich selbst Kandidaten mit starker Persönlichkeit schwer gegen eine Partei, die viele vor allem als Denkzettel wählen.
