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Zuckerberg vor Gericht: Der Druck auf die sozialen Medien wächst

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01.03.2026

Die sozialen Medien erleben ihren „Big Tobacco Moment“. Der Vergleich kommt aus den USA und ist nicht zufällig. Die Tabakindustrie bestritt lange, dass Zigaretten süchtig machen. Interne Dokumente belegten das Gegenteil, was die Glaubwürdigkeit der Branche zerstörte. Jetzt müssen sich die Social-Media-Plattformen ähnlichen Fragen stellen.

Mark Zuckerberg muss sich in Los Angeles vor Gericht rechtfertigen – also der Chef des Meta-Konzerns (Facebook, Instagram, WhatsApp). Die 20-jährige Klägerin wirft den Plattformen vor, sie süchtig gemacht zu haben. Draußen stehen Eltern mit Fotos ihrer Kinder, die sagen, soziale Medien seien der Ursprung der psychischen Probleme ihrer Töchter und Söhne.

Regulierung sozialer Medien: ein transatlantisches Spannungsfeld

In seinen Aussagen relativiert Zuckerberg diese Darstellung: Interne Dokumente, die offenkundig Metas Ziel belegen, Teenager an die Plattformen zu binden, seien missverstanden worden. Zuckerberg verweist auf Schutzmechanismen und betont die Eigenverantwortung der Nutzer. Ob das vor Gericht reicht, wird sich zeigen. Reicht es nicht, wäre das ein Präzedenzfall für Tausende weitere Klagen.

Der Druck auf die Plattformen kommt nicht nur aus dem Gerichtssaal. Australien hat soziale Medien für unter 16-Jährige bereits verboten. Deutschland und Großbritannien diskutieren ähnliche Maßnahmen, Frankreich treibt sie bereits voran. All das verändert die Debatte, die auch eine transatlantische Dimension hat: Die US-Regierung wirft Europa vor, systematisch die Meinungsfreiheit zu untergraben. Doch das Verfahren in Los Angeles zeigt, dass die Skepsis längst auch in den USA angekommen ist. Die Tabakindustrie hatte auch nicht über Nacht verloren.


© NRZ