Rechter Dammbruch
Das Wahlergebnis von Sachsen-Anhalt verstärkt das Beben, das schon seit Längerem in der deutschen Politik grummelt. Ein haushoher Sieg der AfD war absehbar; nun könnte er als Katalysator für kommende Wahlen wirken. Die AfD triumphiert mit einem Dauerlächler an der Spitze, der oft eine erstaunliche politische Unbedarftheit zur Schau stellte und gern als Duftverkäufer verspottet wird. Aber Ulrich Siegmund hat etwas anderes verkauft: die Illusion einer netten, volksnahen Partei, die aber tatsächlich ein strammes völkisches Programm durchziehen will. Das Motto des Bundeslands Sachsen-Anhalt – »Modern denken« – möchte die AfD in »Deutsch denken« verändern. Darin steckt das ganze nationalistische, mit Ressentiments aufgeladene Programm, das auf perfide Weise Verlusterfahrungen ebenso aufgreift wie Verlustängste. Das hat bis weit in die Reihen der bisherigen Nichtwähler gewirkt.
Falls es zur absoluten Mehrheit für die AfD nicht ganz gereicht hat, darf man vielleicht einen kurzen Moment darüber erleichtert sein. Aber 44 Prozent für diese Partei, fast die Hälfte der abgegebenen Stimmen, sind erschreckend und eine Verdoppelung seit 2021. Ganz ähnlich sieht es in Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern aus. Selbst in einer weltoffenen Metropole wie Berlin steht die AfD inzwischen bei fast 20 Prozent. Die Rechtsaußenpartei schafft es derzeit, den gesamten Unmut einzusammeln, der sich seit den Verwerfungen der deutschen Einheit und wegen der langfristigen Vernachlässigung des Ostens angesammelt hat. Beides traf........
