Knallharter Werkschef
André Thierig weiß, wem er seine Karriere zu verdanken hat. Eigentlich sollte er nur die Lackiererei am Standort Grünheide in Brandenburg aufbauen. Doch der Vertraute des mächtigen Tesla-Chefs Elon Musk übernahm immer mehr Verantwortung – bis er vor zweieinhalb Jahren die gesamte Werksleitung erhielt. Seither führt er das Werk mit harter Hand. Schlagzeilen machten Hausbesuche bei krankgeschriebenen Beschäftigten.
Nun sorgt Thierig für einen weiteren Skandal: Er beschuldigt einen Gewerkschafter, in der vergangenen Woche eine Betriebsratssitzung aufgezeichnet zu haben. Der Mann sei »auf frischer Tat ertappt« worden, schrieb er in den sozialen Medien. Tesla stellte Strafanzeige.
Im März wird ein neuer Betriebsrat gewählt. Managementnahe Listen und die IG Metall ringen um die Mehrheit. Thierig befürchtet, dass der geplante Ausbau des Werks auf der Kippe steht, wenn der Einfluss der Gewerkschaft steigt. Konzernchef Musk setzt in seinen Fabriken auf möglichst geringe gewerkschaftliche Präsenz. »Wer sich immer nur dagegen positioniert und schlechte Stimmung macht, gehört nicht zu uns«, sagte Thierig vor der Belegschaft mit Blick auf die Gewerkschaft.
Die IG Metall bestreitet, dass ihr Mitglied die Sitzung aufzeichnen wollte und spricht von einer »ebenso dreisten wie kalkulierten Lüge«. Sie wehrt sich auch juristisch. Am Dienstag stellte sie Strafanzeige gegen Thierig wegen übler Nachrede. Zudem beantragte sie eine einstweilige Verfügung, die ihm die weitere Verbreitung angeblich falscher Behauptungen untersagen soll. Den Laptop des betroffenen Mitglieds stellt sie für die Ermittlungen bereit.
