Wilde Verdächtigungen
Wer heute kritische Gesellschaftstheorie, Marxismus, Postcolonial Studies, kritische Rassismusforschung oder Gender Studies betreibt, hat mit viel Gegenwind und fürchterlichen Vorwürfen zu rechnen. Der Widerstand kommt vor allem aus rechten Parteien und Medien. Jene, die sich mit diesen Themen befassen, werden als Spinner oder Ökoterroristen beschimpft, sie werden wegen politischer Korrektheit oder Identitätspolitik kritisiert.
Seit vergangenem Jahr mischt sich auch das Weiße Haus aktiv ein. Donald Trump nimmt in Anspruch, die Wahrheit über die Geschlechterordnung wiederherzustellen und damit auch die Frauen zu schützen. Merkwürdig, denkt man – ausgerechnet jemand, der wegen der Vergewaltigung einer Frau verurteilt wurde, dessen Verhältnis zu Epstein ungeklärt ist und der regelmäßig sexistische Sprüche macht, will Frauen schützen.
Es handelt sich also um eine Umkehrung. Fortschritte in der Erkenntnis sollen rückgängig gemacht werden. Seit Längerem mobilisieren die Herrschenden gegen emanzipatorische Tendenzen. Sie begreifen, dass ihr Modell der Lebensweise infrage steht und wollen es restaurieren: gehorsame Frauen, schnelle Autos, fett Kohle machen.
Nun kommen auch von sogenannter linker Seite solche Angriffe. Der Bezugspunkt dafür ist die Sicherheit Israels und der Antisemitismus. Theorien, die aus den Erfahrungen des Kolonialismus in Lateinamerika oder Afrika hervorgegangen sind, werden dabei kurzerhand mit dem deutschen Vernichtungsantisemitismus verrechnet. Ihre eigenen Erfahrungen von Menschenvernichtung, Völkermord, Zerstörung von Lebenszusammenhängen, Sklaverei und Rassismus werden mit Hinweis auf die........
