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Ein Polizeieinsatz, der auch Tradition zu sein scheint

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Ein Polizeieinsatz, der auch Tradition zu sein scheint

Von Thomas Lötscher alias Veri

Unser Kolumnist pilgerte nach Heiligkreuz. Dort kam es zu einem Grosseinsatz.

Ich gehe weder an Fussballspiele in Luzern, Demos in Bern noch an Erst-Mai-Umzüge in Zürich. Und doch stecke ich plötzlich mitten in einem Polizeieinsatz. Zwei Einsatzfahrzeuge, drei bewaffnete Polizisten, mehrere Assistenten, die in ihren orangen Westen Unterstützungsdienst leisten.

Doch der Reihe nach. Vier Stunden zuvor deutet nichts auf diesen Grosseinsatz hin. Kurz oberhalb des Dorfes Hasle, bei der Biberebrücke, leitet ab acht Uhr der Kirchmeier persönlich die Autos übers Bergli. Die andere Strasse, über s'Chochä Schüürli, Keglisberg und Bühlweid und weiter nach Heiligkreuz wird für die Karfreitagsprozession freigehalten. Rosenkranz betend pilgern wir, wie es seit Jahrzehnten Tradition ist, die 4,3 Kilometer bis zur Wallfahrtskirche. Bei diesem frühlingshaften Wetter ist ein schönes Kolönnchen zusammengekommen. Vorne und hinten verweist der zivile Verkehrsdienst Autos an den Strassenrand, die Lenkenden werden von den Vorbeiprozessierenden mit vorwurfsvollen Blicken gestraft. Früher, als die Zeiten noch rauer waren, wurde öfter mal unchristlich aufs Autodach geklopft, motorisierten Dränglern der Weg versperrt. Es geht um Respekt. Und um die Sitzplätze in der Kirche!

Die Wallfahrtskirche Heiligkreuz.

Kurz vor zehn in Heiligkreuz ankommend sind die bereits parkierten Autos für mich Argument genug, die Holzbank grossmütig jemand anderem zu überlassen: Ich steuere reinen Gewissens die Pilgerstube im Kurhaus an. Es hätte dann schon noch Platz gehabt, meint Fritz zwar lachend, der nach der Predigt zu uns stösst. Es ist, so sind wir uns einig, halt nicht mehr wie früher, wo das Heiligkreuz am Karfreitag von Tausenden überlaufen und ein Ordnungsdienst unumgänglich war.

Umso mehr staune ich kurz vor zwölf über den Grosseinsatz. Scheint auch Tradition zu sein. Die zwei Polizisten und die Polizistin werden geschätzt und gegrüsst. Vielleicht täte es auch dem einen oder anderen gut, der sonst pyroschwenkend im Stadion oder auf der Strasse rumlärmt, demütig nach Heiligkeuz zu pilgern und ein Kerzli anzuzünden.

Thomas Lötscher alias Veri ist ehemaliger Kabarettist und lebt in Malters. Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktorinnen unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

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