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Hartnäckigkeit für die Berufslehre

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27.03.2026

Hartnäckigkeit für die Berufslehre

Von Peter Letter, Oberägeri, Kantonsrat FDP

FDP-Kantonsrat Peter Letter über die Förderung attraktiver Lehrstellenangebote in gewerblichen Berufen.

Politik ist selten ein Sprint. Wer etwas bewegen will, braucht einen langen Atem. Das zeigt das FDP-Postulat zur Förderung attraktiver Lehrstellenangebote in gewerblichen Berufen exemplarisch: eingereicht im Mai 2022, vom Regierungsrat 2023 noch zur Ablehnung empfohlen, vom Kantonsrat im Dezember 2023 dennoch für erheblich erklärt. Jetzt liegt die Antwort des Regierungsrats vor – und sie zeigt: Hartnäckigkeit kann sich lohnen.

Ausgangspunkt war ein reales Problem. Viele gewerbliche Lehrbetriebe stehen unter Druck. Sie müssen um gute Lernende werben, während zugleich Anforderungen an Ausbildung, Betreuung und Administration gestiegen sind. Bereits im Postulat hat die FDP darauf hingewiesen, dass gerade gewerbliche Betriebe Mühe haben, ihre Lehrstellen mit geeigneten Schulabgängerinnen und Schulabgängern zu besetzen. Die Ausbildung des eigenen Nachwuchses ist aber eine der wichtigsten Antworten auf den Fachkräftemangel.

Die FDP wollte deshalb keine Symbolpolitik, sondern eine seriöse Bedürfnisabklärung. Der Regierungsrat hat diese zusammen mit dem Zuger Gewerbeverband bei den Betrieben vorgenommen. Die Resultate sind interessant: 57 Prozent der teilnehmenden Betriebe begrüssen ein schulisches Coaching, 43 Prozent eine unterstützende Begleitung während der Lehre, und rund 40 Prozent würden Dienstleistungen eines Lehrbetriebsverbunds in Anspruch nehmen. Gleichzeitig kommt der Regierungsrat zum Schluss, dass für einen eigenen Lehrbetriebsverbund für gewerbliche Berufe kein breiter Bedarf besteht. Das kann man so sehen – man kann die Resultate aber auch differenzierter lesen.

Nicht erfüllt wurde unser Anliegen allerdings bei Lernenden und Eltern: Hier gab es keine eigene neue Umfrage, obwohl dies ursprünglich Teil des Postulats war. Das ist ein Mangel. Dennoch liegt nun eine brauchbare Auslegeordnung auf dem Tisch. Und entscheidend ist am Ende nicht die Etikette, sondern die Wirkung.

Genau hier wird das Geschäft interessant. Denn der Regierungsrat schlägt drei konkrete Massnahmen vor: 1. ein neues Betriebscoaching für gewerbliche Lehrbetriebe als Pilot, 2. eine deutliche Erhöhung der fachkundig individuellen Begleitung und deren Ausweitung auf Lehren mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ), sowie 3. eine Erhöhung der vom Kanton finanzierten Fälle beim Case Management Berufsbildung. Das sind keine wohlklingenden Absichtserklärungen, sondern praktische Verbesserungen. Sie entlasten Berufsbildnerinnen und Berufsbildner, stärken die Ausbildungsqualität und helfen, Lehrverhältnisse zu stabilisieren.

Genau das wollte die FDP erreichen: nicht schöne Schlagworte, sondern konkrete Unterstützung für jene Betriebe, die unseren Berufsnachwuchs ausbilden. Dass der Regierungsrat nun im zweiten Anlauf ein wirksames Massnahmenpaket vorlegt, ist zu begrüssen. So kann Politik funktionieren: beharrlich, sachlich und mit einem greifbaren Nutzen für den Kanton Zug.

In der Kolumne «Zuger Ansichten» äussern sich Kantonsrätinnen und Kantonsräte zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.

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