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«Ich meinti»: Bereits das zweite Mal …

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13.03.2026

«Ich meinti»: Bereits das zweite Mal …

Kolumnist Karl Tschopp macht sich Gedanken zu Freitag, dem 13. – und findet: einfach ignorieren.

Heute ist dieses Jahr nach dem 13. Februar bereits das zweite Mal Freitag, der 13. Damit aber noch nicht genug im laufenden Jahr, denn am 13. November ist es dann das dritte Mal. Man spricht auch von einem «Horror-Jahr» mit gleich drei solchen Terminen. Das scheint mir jetzt aber doch erheblich übertrieben. Im Rahmen einer «sicheren» Planung einer Hochzeit oder von Ferien soll man diese Termine vermeiden, so der gut gemeinte Ratschlag. Beruhigen kann schon mal, dass viele Hotels keine Zimmernummer 13 und viele Fluggesellschaften keine 13. Sitzreihe haben.

Karl Tschopp, Rechtsanwalt aus Stans, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autorinnen und Autoren zu einem selbst gewählten Thema. Bild: zvg

Versicherungsstudien zeigen zudem regelmässig auf, dass an diesen Freitagen nicht mehr Unfälle passieren, eher im Gegenteil, nämlich etwas weniger, weil viele vorsichtiger sind. Die Vorsichtigen stehen nämlich zuerst mit dem rechten Bein auf, um das Schicksal nicht unnötig herauszufordern. Dann sicherlich drei Mal auf Holz klopfen und einen Glücksbringer mit sich herumtragen. Das baut psychologischen Stress ab. In China ist die Zahl 13 ein wahrer Glücksbringer. Auf chinesisch gesprochen ähnelt die Aussprache den Begriffen «gesichertes Wachstum» oder «lebendig». Wie soll ich das jetzt überprüfen?

In unseren Kulturkreisen aber hat es die Zahl 13 schwer. Man sagt ihr auch «Dutzend-Sprenger-Zahl». Die 13 überschreitet das Dutzend, das in vielen Kulturen als Symbol der Vollkommenheit gilt: 12 Monate, 12 Apostel, 12 Sternzeichen. In der christlichen Tradition gilt der Freitag als Trauertag, da Jesus am Karfreitag gekreuzigt wurde. Zudem soll Adam laut Überlieferung an einem Freitag in den Apfel gebissen haben.

Während sowohl der Freitag als auch die Zahl 13 einzeln seit langem als unheilvoll gelten, entstand die Kombination als fester Begriff für einen Unglückstag erst im frühen 20. Jahrhundert. So soll 1907 der amerikanische Geschäftsmann Thomas Lawson einen Börsenroman veröffentlicht haben mit dem Titel «Friday, the Thirteenth». Darin nutzt ein Spekulant den Aberglauben aus, um an diesem Tag eine Panik an der Wall Street auszulösen. Wenn das so stimmt, soll dies massgeblich zur weltweiten Popularisierung des Begriffs beigetragen haben.

Ich meinti, die Angst vor dem heutigen Kalenderblatt kommt mir vor wie bei allen Weltuntergangsdaten. Deshalb einfach ignorieren. Denken Sie positiv. Er ist ohnehin die perfekte Ausrede für alles, was schiefgeht. Kaffee über die Tastatur gekippt? «Es ist Freitag der 13.!» In der Videokonferenz das Mikro angelassen, während man über den Chef lästert? «Das Datum ist schuld!»

Und nächstes Jahr gibt es nur einen: Freitag, der 13. August.

Karl Tschopp, Rechtsanwalt aus Stans, äussert sich abwechselnd mit anderen Autorinnen und Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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