Kein Licht im Club der Versehrten
26. September 2026 – 15. Tischri 5787
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Kein Licht im Club der Versehrten
Ute Cohen zeigt in ihrem neuen Roman »Willents Brut« wie die deutschen Dämonen in einer Nachkriegsfamilie zerstörerisch nachwirken
Die Dämonen sind los – immer noch. Das erzählt Ute Cohen in ihrem neuen Roman »Willents Brut« mit schonungsloser Schärfe und Sprachschönheit. Im Mittelpunkt steht das Schicksal von Arne Willent, der mit seinen Geschwistern Volkhart, Franz und Hanne dem väterlichen Schatten zu entrinnen versucht.
Als Kinder der 1960er Jahre erleben sie den Aufstieg der fränkischen Familien-Gastwirtschaft hautnah mit – die Unterordnung der Mutter, die aus falsch verstandener Religiosität schweigt und alles erduldet, sowie den väterlichen Despotismus, dessen autoritär-braune Einfärbung unübersehbar ist. »Das Rauchwerk kannte er vom Vater«, heißt es im Roman. »Der alte Willent hatte ihm, als er das Reh zerwirkte, von Pelzhändlern erzählt, die er in seiner Kindheit kennengelernt hatte. ›Jüdische Aasgeier‹, hatte er sie genannt und sich mit einem schiefen Lächeln über den bösen Witz gefreut.«
Jeder der Geschwister versucht auf seine Weise dem dumpfen Fluch und Sog der Schuldlinie zu entkommen. Arne Willent scheint dafür am wenigsten prädestiniert zu sein. Sensibel und mit zwei verschiedenfarbigen Augen ausgestattet, wie der Kultstar David Bowie, entspricht er keinesfalls der väterlichen Reinheits- und Leistungsnorm. Doch echte Auswege scheintes keine zu geben – nur falsche Hoffnungen und falsche Propheten.
Wie zum Beispiel den vermeintlichen gesellschaftlichen Außenseiter Enno, der sich Franz und Arne als sanfter Mentor aufdrängt. »Enno kramte ein paar Räucherstäbchen aus einer Schublade hervor, steckte sie in einen Halter aus Ton und entzündete sie. Schwüler Patschuliduft........
