Die Schatten der Vergangenheit sind lang
19. September 2026 – 8. Tischri 5787
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Die Schatten der Vergangenheit sind lang
Wie der Hessische Rundfunk über jüdische Grundstücke stolpert
Die Schatten der Vergangenheit sind lang. Sie reichen manchmal über Generationen hinweg. Und manchmal fallen sie ausgerechnet auf solche Institutionen, die sich selbst als Hüter von Aufklärung und Verantwortung rühmen. Etwa auf den Hessischen Rundfunk (hr).
Denn entgegen dem Selbstverständnis des Senders, der aus den Trümmern des Dritten Reichs hervorgegangen ist, und einen erheblichen moralischen Anspruch vor sich herträgt, verblasst dieser ausgerechnet dort, wo es unbequem wird und historische Verantwortung nicht umsonst zu haben ist. Nämlich bei Fragen der Restitution. Bei Fragen des Umgangs mit Nazi-Unrecht. Und bei Fragen der Aufarbeitung der eigenen Geschichte.
Worum es geht? Es geht um jüdisches Eigentum, das von den Nationalsozialisten arisiert wurde. Um Grundstücke der B’nai-B’rith-Logen in bester Frankfurter Lage. Und um den begründeten Verdacht, dass der hr nach 1945 von diesem Unrecht profitiert hat.
Konkret: 1952 erhielt B’nai B’rith aus einem Vergleich mit dem hr 160.000 D-Mark als Entschädigung für arisierte Grundstücke. Das Problem: Die entschädigte Grundstücksfläche war plötzlich um ganze 1915 Quadratmeter geschrumpft. Einfach so! Das heißt: Ein ganzes Flurstück wurde bei der Vereinbarung »übersehen«. Zu Lasten der Loge versteht sich. Was für ein fauler Zauber!
Ein Grundstück von erheblicher Größe in bester Lage war also bei der Entschädigung gar nicht berücksichtigt worden. Besonders brisant: Dem hr lag schon damals ein Gutachten vor, das für die Grundstücke einen deutlich höheren Wert auswies. Es war also ein jüdisches Schnäppchen sondergleichen, was den Verantwortlichen da wenige Jahre nach dem Krieg wie durch ein Wunder in den Schoß fiel.
Und da ein Wunder bekanntlich selten allein........
