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„Irgendwie so bombt man sich das Ganze am Ende zurecht“

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11.03.2026

11. März 2026 – 22. Adar 5786

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»Irgendwie so bombt man sich das Ganze am Ende zurecht«

In ihrem wöchentlichen Podcast versuchen sich Talkmaster Markus Lanz und Philosoph Richard David Precht an einer Analyse der Hintergründe des Irankriegs - und scheitern gewaltig

Bei komplexen internationalen Themen soll man bekanntlich nicht vorschnelle Schlüsse ziehen. Zumindest nicht, bevor man den Einordnungen von Markus Lanz und Richard David Precht dazu gelauscht hat.

»Angriff auf den Iran - Ein gerechter Krieg?« lautet der Titel der 235. Ausgabe ihres im Auftrag des ZDF produzierten Podcasts. Doch bevor die beiden Protagonisten zur Sache kommen, geht es um etwas viel Wichtigeres: »Wo erreiche ich dich, Richard?« Er sitze wie immer in seiner Kemenate, seinem Rückzugsort, antwortet Precht. Dort hat der Philosoph und Schriftsteller auch sein Podcast-Equipment installiert, um den Kontakt mit der Außenwelt aufrechtzuerhalten.

Precht spielt den Ball zurück. Viel wichtiger sei doch heute, wo er Lanz erreiche. Und so erfahren die Zuhörer, dass der Moderator gerade irgendwo in den Skiferien weilt. Der Podcast werde deswegen im Wohnzimmer »von Martin, meinem engsten Freund«, dem »wichtigsten Mann und stellvertretenden Bürgermeister des Dorfes«, aufgezeichnet, verrät Lanz. Um welches Dorf es sich handelt, gibt der gebürtige Südtiroler aber nicht preis. Und auch nicht, warum ausgerechnet der Stellvertreter des Bürgermeisters der wichtigste Mann vor Ort ist.

Dafür erfährt man aber, dass der Moderator eigens seine Ferien unterbrochen hat, um in Hamburg eine »frische Sendung« zu produzieren. Und man lernt wieder eine Menge über die Ansichten des populärsten Talkmasters der Deutschen und über die des (Jürgen Habermas möge es verzeihen) liebsten Philosophen der Nation.

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Mit viel angelesenem (Halb-) Wissen und mit dem unbändigen Willen zur klaren Meinungsäußerung gerüstet, gehen die beiden Podcaster den möglichen Motiven für den Irankrieg nach. Dass es dabei um Hilfe für die unterdrückten Iraner gehen könnte, bestreitet Precht nachdrücklich: »Die Amerikaner haben alles in ihrer Geschichte getan, um die freiheitlich demokratische Entwicklung im Iran zu verhindern.«

Die USA hätten nicht nur den Schah installiert, sondern nach dessen erzwungenem Abtritt 1979 auch das Regime von Ajatollah Ruhollah Chamenei an die Macht gebracht. Ob Precht in diesem Moment klar war, dass wohl nicht jeder Historiker diese These unterschreiben würde? Entgangen ist ihm wohl auch, dass Chomeini und seine Mitstreiter die USA seit je her als die Inkarnation des Bösen ansehen. Doch wäre Precht ein glaubwürdiger Nahostexperte, würde er sich von der Wirklichkeit widerlegen lassen?

Trumps Traum von den Militärbasen

Überhaupt, zu historischen Fakten hat Precht eine besondere Beziehung. Im Oktober 2023 sagte er im selben Podcast Folgendes über orthodoxe Juden: »Die dürfen ja gar nicht arbeiten, so ein paar Sachen wie Diamantenhandel und ein paar Finanzgeschäfte ausgenommen. Das ist ja grundsätzlich von der Religion her untersagt.« Dafür erntete der Gelehrte viel Kritik und auch Spott. Doch seinen Ruf als »Prechthaber« will der 61-Jährige offenbar mit aller Macht verteidigen.

Zu den Kriegszielen der Amerikaner für den Krieg liefert er gleich mehrere interessante Thesen. »Also, das Öl ist natürlich wahnsinnig entscheidend. Nicht, weil die Amerikaner es wahnsinnig dringend brauchen, abgesehen davon, dass sie es immer gebrauchen können und damit tolle Geschäfte machen, vielleicht auch Trump persönlich. Es geht darum, dass die Iraner die Chinesen mit Öl versorgen, und zwar sehr, sehr günstig und sehr, sehr billig. Und es wäre ein enormer Schlag gegen China, wenn man das unterbinden könnte und wenn das Öl jetzt von nun an via Amerika gefördert und kontrolliert........

© Juedische Allgemeine