„Viele haben unsere Sorgen einfach weggewischt“
08. September 2026 – 26. Elul 5786
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»Viele haben unsere Sorgen einfach weggewischt«
»Viele haben unsere Sorgen einfach weggewischt«
JSUD-Präsident Ron Dekel über Sachsen-Anhalt, die AfD und die Frage, was die jüdische Gemeinschaft jetzt tun kann
Herr Dekel, im Rahmen der Kampagne »DEMOKRATIEFEINDE ANHALTen« waren Sie eine Woche mit der Jüdischen Studierendenunion (JSUD) in Sachsen-Anhalt unterwegs. Worum ging es bei der Aktion?Mit der Aktion in Sachsen-Anhalt setzen wir eine Kampagne fort, die es schon seit Jahren gibt und bei der wir uns unter dem Motto »AfNee« vor jeder großen Landtagswahl gegen die AfD eingesetzt haben. Mit dem neuen Namen wollten wir das in Bezug auf Sachsen-Anhalt noch einmal zuspitzen und mit dem Plural »Demokratiefeinde« klar benennen, dass die AfD nicht die einzige Partei ist, die eine Bedrohung für Jüdinnen und Juden darstellt. Aber mit Sicherheit die, von der die größte Gefahr ausgeht. In der Praxis ging es uns vor allem darum, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Es sollte explizit keine Social-Media-Kampagne werden, bei der wir uns über Leute lustig machen.
Ist Ihnen das gelungen?Wenn man sich im Nachhinein das Wahlergebnis anschaut, ist man natürlich desillusioniert. Und trotzdem glaube ich, dass die Kampagne auch ein Erfolg war. So viele Menschen kamen zu uns und meinten, wir wären die ersten Jüdinnen und Juden, die sie kennenlernen. Wir hatten wirklich gute Gespräche mit Leuten, die sich noch unsicher waren, wen sie wählen sollen. Durch das Gespräch mit uns haben manche noch einmal mal auf einer persönlicheren Ebene verstanden, welche Auswirkungen eine potentielle AfD-Regierung haben kann. Gleichzeitig haben viele, die wir mit direkten Zitaten von AfD-Politikern oder aus dem Parteiprogramm konfrontiert haben, unsere Sorgen einfach mit dem Argument weggewischt, dass das gar nicht so gemeint sei.
In einem Video, das im Internet kursiert, ist eine Konfrontation mit einem Mann zu sehen, der sich selbst als AfD-Wähler bezeichnet und sich Ihnen und anderen Mitgliedern der JSUD gegenüber offen antisemitisch äußert. Es gab also auch Anfeindungen?Wir haben in der kurzen Zeit in Sachsen-Anhalt aus verschiedenen Richtungen Antisemitismus erlebt. Gleich am ersten Tag in Magdeburg hat eine mutmaßlich palästinensische Person........
