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Wenn Lehrer lernen

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13.03.2026

13. März 2026 – 24. Adar 5786

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Jüdische Religionspädagogen aus ganz Deutschland treffen sich zur Weiterbildung – und finden Wege, alte Texte mit Theater, TikTok und KI wieder lebendig werden zu lassen

»Das hier ist das Alte Ägypten«, sagt Nurith Schönfeld und streicht über eine graue Mülltüte, die sie vor ihren Knien auf den Boden gelegt hat. Dann lässt sie die Finger durch den Sand daneben gleiten. »Und das ist die Wüste«, sagt sie. »Hier sind wir frei. Aber man kann auch verloren gehen.«

Gebannt lauschen die Seminarteilnehmer Schönfelds Erzählung. Eigentlich kennen sie die in- und auswendig: Sie sind Religionslehrer, und jetzt, kurz vor Pessach, steht wie jedes Jahr der Auszug aus Ägypten auf dem Lehrplan. Doch durch das kleine Schauspiel auf dem Boden verändert sich die Perspektive auf den Exodus. »Ich frage mich«, sagt Nurith Schönfeld langsam, ohne die Augen von der Szenerie vor ihren Knien abzuwenden, »was mehr Angst macht: das Bekannte, das hinter dir liegt, oder das Unbekannte vor dir«.

Auf der Tagung werden die erfahrenen Lehrer wieder zu Schülern.

Auf der Tagung werden die erfahrenen Lehrer wieder zu Schülern.

Die Methode des »Torah Godly Play«, die Nurith Schönfeld hier vorführt, wurde von Rabbiner Michael Shire entwickelt. Es geht darum, durch Erzählen, Zeigen und Zuhören spirituelle Erfahrungen zu ermöglichen, die zu Sinnfindung, Identitätsfindung und Gottesbeziehung führen.Die jüdische Religionslehrerin hat sie bereits mit einer Klasse ausprobiert, die als besonders schwierig galt. »Plötzlich öffneten sich die Schüler und sprachen über ihre Erfahrungen«, erzählt die Lehrerin. »Bei manchen Kindern kann der Auszug aus Mizrajim Assoziationen zur eigenen Fluchtgeschichte wecken, andere denken vielleicht an die Zeit der Scheidung ihrer Eltern, die voller Unsicherheiten war.« Die Methode funktionierte so gut, dass Schönfeld sie nun anderen Lehrkräften vermitteln möchte.

Grundlagen der Didaktik können die Lehrerinnen und Lehrer in Heidelberg auffrischen.

Vernetzung Ende Februar trafen sich etwa 30 jüdische Religionslehrerinnen und -lehrer an der Hochschule für Jüdische Studien in........

© Juedische Allgemeine