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Richtig beten

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01.05.2026

01. Mai 2026 – 14. Ijar 5786

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Kawana: Eine bestimmte geistige Haltung ist Vorbedingung für das innere Gespräch mit G’tt

Beten will gelernt sein. Mit Recht hat Rabbiner Chaim Halevy Donin in seinem Buch Jüdisches Gebet heute erklärt: »Aus dem Gebetbuch lesen, heißt noch lange nicht, dass man betet … Um Lesen in Beten zu verwandeln, muss wenigstens ein Gefühl der G’ttesanwesenheit vorhanden sein und die Absicht, eines seiner Gebote zu erfüllen.«Der Talmud (Berachot 31a) lehrt: »Der Betende muss sein Herz zum Himmel richten.« In der Mischna (Berachot 30b) heißt es: »Man stelle sich zum Beten nicht anders als mit großer Ernsthaftigkeit.«

Eine bestimmte geistige Haltung ist also Vorbedingung für das Beten. Die erwünschte seelische Verfassung bezeichnet man als Andacht (hebräisch: Kawana). Was verlangt Kawana in der Praxis? Man sollte die Bedeutung der gesprochenen Worte verstehen und beim Sprechen der Gebetstexte nicht an andere Dinge denken. Maimonides, der Rambam (1138–1204), schreibt in seinem berühmten halachischen Werk Mischne Tora (Hilchot Tefilla 4,15): »Ein Gebet ohne Kawana ist kein Gebet. Hat jemand ohne Kawana gebetet, so wiederhole er sein Gebet mit Kawana.«

Ein Gebet ohne Kawana? Das muss wiederholt werden.

Rabbiner Joseph Karo (1488–1575) verweist in seinem Kommentar zur angegebenen Stelle auf folgende Talmudpassage: »Rabbi Jochanan erzählte: ›Ich sah Rabbi Jannaj beten und wieder beten.‹ Da sprach Rabbi Jirmija zu Rabbi Zera: ›Vielleicht hatte er erst seine Gedanken nicht andächtig........

© Juedische Allgemeine