Küche der Kindheit
24. April 2026 – 7. Ijar 5786
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Die Foodbloggerin Lena Bakman kocht die bucharischen Gerichte ihrer Großmutter
Nahezu jedes Kind hat einen Lieblingsplatz, an den es sich gern zurückzieht. Für Lena Bakman war es der Platz am Herd, gleich neben der Großmutter. »Stundenlang konnte ich meiner Oma, die genau genommen meine Großtante war, beim Kochen zuschauen«, erinnert sich die inzwischen 45-Jährige, die unlängst einen Kochblog unter dem Namen »mytraditionalmodernkitchen« in den sozialen Medien ins Leben gerufen hat.
Für einen kurzen Moment scheinen die Erinnerungen an die Küche der Kindheit vor ihrem inneren Auge wieder aufzuflackern. An die Art, wie die Großmutter das Fleisch in der bauchigen Eisenpfanne zum Brutzeln brachte, an das gütige Lächeln von Dora, die eine sehr gläubige Jüdin war und ihr Haar unter einem Tuch verborgen trug, an die Probierlöffel hier und dort. An den Geschmack einer Süßspeise, deren Reste aus der Schale geschleckt werden durften, bevor sie zum Abwasch ins Spülwasser wanderte.
Kochen muss auch in den Alltag einer »Working Mum« passen.
Kochen muss auch in den Alltag einer »Working Mum« passen.
Das Gedächtnis speichert bekanntlicherweise nicht nur Bilder oder Szenen, sondern auch Geräusche, Geschmäcker und Gerüche. Zum Beispiel den süßsäuerlichen Duft von frisch gekochtem Borschtsch mit Roter Bete, Knoblauch und Dill, eines jener typischen Gerichte aus Bakmans Kindheit in der ehemaligen Sowjetunion. Aufgrund der Regeln des Kaschrut wurde es allerdings ohne saure Sahne serviert.
Geboren im heutigen Usbekistan, wanderte Bakman im Alter von zehn Jahren mit ihrer ganzen Familie, inklusive Großmutter Dora, nach Israel aus, wo sie fortan in Lod und später in Tel Aviv lebten. In einer vollkommen anderen Welt. »Bei meinem neuen Projekt geht es nun darum, das Erbe meiner bucharischen jüdischen Familie durch das Essen zu bewahren«, erklärt die leidenschaftliche Hobbyköchin und Mutter zweier Kinder im schulpflichtigen Alter. Historische Familienrezepte kocht Bakman aus den Fragmenten ihrer Erinnerung und nach jeweiliger Rücksprache mit Familienangehörigen – mithilfe moderner Zutaten und Küchenutensilien. Insbesondere ihre Tante wisse noch viel. »Leider gibt es keine Aufzeichnungen, keine Rezepte, Dora hat alles aus dem Kopf gekocht, aber ich weiß genau, wie etwas schmecken muss«, sagt die zierliche Frau mit den schwarzen Locken, die hauptberuflich als Kommunikationsmanagerin einer NGO arbeitet.
Ihre Interpretationen der traditionellen Gerichte sind an die moderne Ernährung von heute angepasst: Bakman kocht mit deutlich weniger Fett,........
