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Besondere Zeiten

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01.05.2026

01. Mai 2026 – 14. Ijar 5786

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Die Tora möchte, dass wir uns immer wieder aus unserer Routine lösen, um uns mit unseren Mitmenschen zu verbinden

Mit der Parascha dieser Woche, dem Abschnitt Emor, nähern wir uns dem Ende von Wajikra, dem 3. Buch Mose. Unsere Weisen lehrten, dass die Tora-Erziehung von Kindern mit diesem Buch beginnen sollte. Ein zentrales Thema von Wajikra ist, Fragen nach dem richtigen Verständnis von Reinheit und Heiligkeit nachzuspüren. Nach dem Talmud sind nämlich gerade dies Themen, mit denen sich jede neue Generation von jungen Jahren an beschäftigen sollte.

In der vergangenen Woche lasen wir den Doppelabschnitt Acharej Mot und Kedoschim, der zwei Beispiele dieser Heiligkeit – ein rituelles und ein ethisches – ins Leben des jüdischen Volkes einführt.

Der Zusammenhang zwischen diesen beiden wird weiter vertieft durch die Sprache, der sich die Tora dabei bedient: Die vielen Gebote, die wir für die Individuen des Volkes Israel finden, stehen grammatikalisch meistens in der zweiten Person Plural. Dadurch entsteht bereits ein sprachliches Gemeinschaftsgefühl, doch ein Anreiz zu gemeinsamem Handeln fehlt noch.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Tora anordnet, diese heiligen Feste zu feiern.

Fast am Ende von Kedoschim lesen wir den berühmten und geheimnisvollen Satz: »Ihr sollt heilig sein, denn ich, Gott, bin heilig« (3. Buch Mose 20,26). Damit überlässt diese Parascha es dem folgenden Wochenabschnitt, tiefer in diesen Sachverhalt einzudringen: Wie kann das jüdische Volk von einer Ansammlung von Individuen zu einer heiligen Gemeinschaft werden?

Unser Wochenabschnitt beginnt mit der Erläuterung, was es aus göttlicher Perspektive bedeutet, zur Gemeinschaft Israels zu gehören: Reinheitsgesetze für Priester und Opfertiere werden konkret festgelegt. Dieser erste Teil der Parascha zeichnet das Bild einer Gesellschaft mit einer göttlich erwählten Führung und einer rituellen Praxis, die auf Perfektion ausgerichtet sind. Jedoch fehlt ein Element in diesem perfekten Bild: die Handlungsfähigkeit des Einzelnen – das gemeinschaftliche, wenn auch nur sprachliche »Ihr«, das die Tora gegen Ende der Parascha Kedoschim verwendet, als Grundlage für gemeinschaftliches........

© Juedische Allgemeine