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Ballett als Biopic

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01.05.2026

01. Mai 2026 – 14. Ijar 5786

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Kirill Serebrennikovs »Nurejew« begeisterte in Berlin – das Stück wird 2027 wieder aufgenommen

Es ist der Staatsballett-Hit der aktuellen Saison: So gut wie alle 1860 Plätze in der Deutschen Oper Berlin waren für sämtliche Vorstellungen schnell ausverkauft, und der Kassierer stöhnt schon wegen des zu erwartenden Ansturms auf die bald freigegebenen Tickets für das Jahr 2027. Der mit internationalen Preisen überhäufte Ballettabend Nurejew, 2017 am Bolschoi-Theater Moskau uraufgeführt und ebendort 2023 wegen »Verstoß gegen russische Werte« verboten, wurde zu einer Art dramatischer Tanz-Revue.

Ein Gesamtkunstwerk aus Sprache, Tanz (Choreografie: Yuri Possokhov) und Gesang (Musik: Ilya Demutsky) in Szene gesetzt vom erfolgreichen russischen Theaterregisseur Kirill Serebrennikov, der, wie er sagt, nicht »als Jude lebt«, jedoch Sohn eines jüdischen Vaters ist und sich selbst ausdrücklich »als Jude« bezeichnet.

Lebensstationen werden anhand der tatsächlich erfolgten »Sotheby-Auktion« des Nachlasses von Nurejew erzählt

Serebrennikov hat den Abend als eine Art getanztes Biopic gestaltet, das Rudolf Chametowitsch Nurejews Lebensstationen anhand der tatsächlich erfolgten »Sotheby-Auktion« seines Nachlasses erzählt.

Während die Bieter von Ballettkomparsen reiferen Alters getanzt werden, deren gestandene Körperlichkeit in rührendem Gegensatz zu ihrem nach wie vor präsenten tänzerischen Können steht, übernimmt die ausführlichen englischsprachigen, von deutschen Übertiteln begleiteten Erläuterungen des Auktionators der amerikanische Schauspieler Odin Lund Biron, der 2009 zur Ausbildung nach Russland ging, dort zum Theater- und Filmstar avancierte und seine neue Heimat nach der russischen Invasion der Ukraine 2022 wieder verließ.

In Moskau wurde das Werk........

© Juedische Allgemeine