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Andreis Glück

15 0
01.05.2026

01. Mai 2026 – 14. Ijar 5786

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Der Schoa-Überlebende Andrei Moiseenkow wird 100 – Weimar feiert seinen Ehrenbürger

Eine karge Küche mit Gasherd, das Teewasser dampft. Brot, Milch, Butter. Andrei Iwanowitsch bereitet sein Frühstück vor, es laufen Nachrichten eines belarussischen Senders. Ein Blick aus dem Fenster auf kahle Birken und parkende Autos, auf der Straße ist noch niemand zu sehen.

»Mein Name ist Andrei Iwanowitsch Moiseenkow. Ich wurde am 1. Mai 1926 geboren, in der Ukraine in der Oblast Czernowitz unweit der Städte Konotop und Bachmatsch, wenn Sie sich für Geografie interessieren.« So beginnt der Film von Hannes Farlock, der zum 90. Geburtstag des ukrainischen Zeitzeugen in die Kinos kam. Von leicht zitternder Hand fließt das heiße Wasser auf den Teebeutel in einem alten Senfglas. Die Zärtlichkeit und der ruhige Fluss der Stimme des Mannes nehmen den Zuhörer gefangen.

Seit 1945 lebt Moiseenkow in Minsk. Dort schloss der damalige 19-Jährige zunächst die 10. Klasse ab, denn weiter als bis zur siebten war er vor dem Zweiten Weltkrieg nicht gekommen. Im Alter von 15 Jahren wurde er zur Zwangsarbeit nach Leipzig verschleppt. Er arbeitete bei der HASAG, dem größten Rüstungsbetrieb Sachsens, in der Produktion und wurde später in ein Ersatzteillager versetzt. Als er verdächtigt wurde, Anführer einer Gruppe junger Aufständischer zu sein, kam er in ein Gestapo-Gefängnis in Leipzig und wurde letztlich im Mai 1944 ins KZ Buchenwald deportiert, wo er in einem Steinbruch arbeiten musste.

Vor zehn Jahren entstand der Dokumentarfilm über sein Leben und seine Geschichte. Jetzt wird Moiseenkow 100 Jahre alt. Der Film erzählt davon, wie er die Schoa überlebte. Wie in den Nachkriegsjahren fast alle seine Familienangehörigen starben.

Unermüdlich erzählt er seine Geschichte, hört zu, besichtigt, staunt, lacht und tanzt.

Unermüdlich erzählt er seine Geschichte, hört zu, besichtigt, staunt, lacht und tanzt.

Und er erzählt davon, dass er nie aufgab. Es ist ein Film über die ungebrochene Heiterkeit eines Menschen, der Schlimmstes erlebt hat und dennoch »jedem Menschen, jedem Tag mit großer Neugier begegnet – leidgeprüft, aber nicht verbittert«,........

© Juedische Allgemeine