menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

»Oh mein Gott, da ist ein Jude im Studentenwohnheim!«

16 0
05.05.2026

05. Mai 2026 – 18. Ijar 5786

AboAngebote PrintAbo-Service

AboAngebote PrintAbo-Service

»Oh mein Gott, da ist ein Jude im Studentenwohnheim!«

Luai Ahmed wurde im Jemen geboren, wuchs mit Antisemitismus auf – doch nach seinem Umzug nach Schweden änderte sich alles

Da steht er auf der Bühne der Synagoge in Düsseldorf: schwarze Hose, schwarzes Hemd, ein tannfarbenes Jackett und eine tannfarbene Kippa. Luai Ahmed wurde 1993 im Jemen geboren. Seine Mutter war und ist Feministin. Sie weigerte sich als Kind, zwangsverheiratet zu werden, und studierte später an der American University in Kairo. 2011, als der Arabische Frühling für mehrere Wochen zumindest einen Teil der Menschen von Freiheit träumen ließ, beteiligte er sich an Demonstrationen. »Wir waren zwölf, 13 Leute. Aber wenn man hinter uns schaute, sah man buchstäblich Hunderttausende Houthis und Muslimbrüder.«

2014 zog Ahmed nach Schweden. Er war Anfang 20, mochte Michael Jackson, wunderte sich aber, dass »Schwarze nicht nur Sklaven« sein können – und war strammer Antisemit. In der Moschee hatte er jeden Freitag gehört, dass die Juden sterben sollen und Israel zerstört werden muss, und um in die Schule zu kommen, hatte er jedes Mal über eine gemalte israelische Flagge zu gehen.

Pepsi, so lernte er, sei die Abkürzung für »Pay Every Penny, Save Israel«.

Pepsi, so lernte er, sei die Abkürzung für »Pay Every Penny, Save Israel«.

»Wir haben die verrücktesten Geschichten über Juden gehört. Dass sie alle Araber und alle Muslime töten wollen. Dass sie uns hassen.« Dann habe es die Erzählung über Israel gegeben, wonach die Juden einen Völkermord an den Arabern begehen und versuchen, den Islam zu zerstören.

»Tatsächlich haben wir in meiner Schule Broschüren bekommen, in denen stand: ›Boykottiert diese 200 Unternehmen.‹« Pepsi, so lernte er, sei die Abkürzung für »Pay Every Penny, Save Israel«.

Im Flüchtlingsheim in Schweden wurde Ahmed von anderen Muslimen angepöbelt, weil er sich während des Ramadan tagsüber einen Kaffee machte. Nachdem IS-Terroristen 2015 die Redaktion des französischen Satiremagazins »Charlie Hebdo« angegriffen und ein Massaker verübt hatten, feierten seine Mitbewohner eine Party. »Ich beschloss in diesem Moment, dass ich Journalist werden würde.« Er wollte damit beginnen, die Europäer, die Schweden, darüber aufzuklären, was sie da eigentlich tun. »Ihr werdet das nicht in die Gesellschaft integrieren können – vor allem dann nicht, wenn ihr die Menschen ohne jeden Plan sich selbst........

© Juedische Allgemeine