(K)ein Abschied von Hohenems
29. April 2026 – 12. Ijar 5786
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(K)ein Abschied von Hohenems
Der ehemalige Direktor des Jüdischen Museums zieht ein Resümee – nach 22 Jahren als Leiter des Hauses. Zu Besuch in der Villa Rosenthal im österreichischen Vorarlberg
Hanno Loewy ist nicht mehr Direktor des Jüdischen Museums Hohenems. Anfang April übergab der langjährige Leiter den Schlüssel an seine Nachfolgerin Irene Aue-Ben-David. Doch der 65-Jährige bleibt dem Haus verbunden – was bei einem Besuch der Jüdischen Allgemeinen in Hohenems deutlich spürbar wird.
Ohnehin war Loewy nie jemand, der seine Arbeit aus sicherer Distanz betrieb. Wer ihm zuhört, merkt schnell: Er verstand dieses Museum nicht als Ort der Aufbewahrung, sondern als lebendigen Raum des Streits, der Fragen und Zumutungen. 22 Jahre und drei Monate hat er das Haus im österreichischen Bundesland Vorarlberg geprägt – eine lange Zeit, in der sich nicht nur das Museum, sondern auch die Welt um es herum fundamental verändert hat. Durch seine Arbeit zog sich wie ein roter Faden die Überzeugung, dass ein Museum dann relevant ist, wenn es Unsicherheiten aushält.
Als der deutsche Literatur- und Medienwissenschaftler 2004 aus Frankfurt am Main nach Hohenems kam, war ihm das in der Villa Rosenthal untergebrachte Museum keineswegs fremd. »Ich kannte es bereits durch frühere Kooperationen und wusste um seine Krisen – aber auch um sein Potenzial. Was mich damals reizte, war dieser Möglichkeitsraum.« Loewy führt aus, dass das Museum in Hohenems ein Haus war, das schon früh den Anspruch hatte, »vor die Tür zu gehen«, um mit den Menschen der Stadt zusammenzuarbeiten und gesellschaftliche Fragen nicht nur abzubilden, sondern aktiv zu verhandeln.
Der Standort mit seiner Geschichte als Fluchtgrenze
Dazu kam die besondere Lage: Hohenems als »periphere Mitte« zwischen Österreich, der Schweiz, Deutschland und Liechtenstein, sah Loewy von Beginn an als großen Vorteil an. »Der Standort mit seiner Geschichte als Fluchtgrenze, das war für mich ein Treiber, aus dem Museum einen Ort zwischen Welten zu machen, wo es gelingen kann, Perspektiven zu verschieben.« Dass Grenzen hier ein zentrales Thema sein würden, war ihm früh klar – auch wenn sich das volle Potenzial, etwa im Hinblick auf Flucht und Migration, erst später entfalten sollte.
Aber der damals noch neue........
