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»Israel ist mir näher als alle übrigen Länder dieser Welt«

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16.10.2026

16. Oktober 2026 – 5. Cheschwan 5787

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»Israel ist mir näher als alle übrigen Länder dieser Welt«

»Israel ist mir näher als alle übrigen Länder dieser Welt«

Der Liedermacher wird 90 Jahre alt. Ein Gespräch über den Krieg gegen Unterdrückung, seine Eltern, den 7. Oktober und über neuen Faschismus

Herr Biermann, Sie haben sich Ihr Leben lang in die politischen Auseinandersetzungen Ihrer Zeit eingemischt. Wenn Sie noch einmal jung wären, wofür würden Sie sich heute starkmachen?Der Streit der Welt ist in jeder Generation anders. Aber es ist und bleibt der immer gleiche Freiheitskrieg, der tobt, seit es die Menschheit gibt. In den würde ich mich, wie ich nun einmal gemacht bin von meinen Eltern, einmischen, so gut ich kann. Das Wort »Freiheitskrieg« habe ich von Heinrich Heine übernommen. Er erfand diesen Begriff, in dem er – in einer Zeit, in der man das Wort von den »Freiheitskriegen« gegen Napoleon nur im Plural kannte – dieses Wort in den Singular setzte. Und »der Freiheitskrieg« im Singular bedeutet etwas ganz anderes. Es ist der Kampf gegen die Unterdrückung und Ungerechtigkeit, und der tobt seit Beginn der Menschheit, er muss immer wieder gewonnen werden und wird immer wieder verloren.

Und Ihr eigener, Ihr persönlicher Freiheitskrieg – wie ist es um den bestellt?In den wurde ich durch Zufall reingeboren. Kein Ei kann sich das Nest aussuchen, in dem es ausgebrütet wird. Ich bin in der Nazi­zeit geboren, in der Blütezeit von Adolf Hitler, 1936, als Kommunisten- und Judenkind. Dadurch geriet ich automatisch in den Freiheitskrieg der Menschheit, in einer Zeit, in der es sehr ungesund war, Kommunisten- und Judenkind zu sein. Das hat mein Leben geprägt.

Sie sind in Hamburg aufgewachsen, doch als Sie 16 Jahre alt waren, 1953, schickte Ihre Mutter Sie in die DDR.Nein, ich bin freiwillig gegangen! Meiner Mutter sollte ich nur einen kleinen Gefallen tun. Ich sollte die Menschheit retten und das Paradies auf Erden errichten, das kommunistische Paradies, versteht sich. Deshalb ging ich in den Osten. Allerdings wunderte ich mich, dass mir so viele Leute entgegenkamen ...

Ihre Mutter, Emma Biermann, hat Sie stark geprägt – Ihr Vater, Dagobert Biermann, obwohl Sie ihn kaum kannten, offenbar auch.Das ist falsch! Er hat mich nicht »auch stark geprägt«, sondern er hat mich am meisten geprägt – er, den ich nie gesehen habe, außer ein einziges Mal, als Vierjähriger. Da gelang es meiner Mutter, mich mit ins Zuchthaus Bremen-Oslebshausen zu nehmen, wo wir ihm eine halbe Stunde gegenübersaßen.

Und dieser eine Besuch hat so viel bewirkt?Nicht nur der Besuch. Meine Mutter hat mir jeden Morgen von meinem Vater erzählt. Jeden Morgen, wenn ich aufstand, ging ich zur Wohnungstür, öffnete sie, und da stand im Treppenhaus mein Leiterwägelchen mit einem Keks oder einer Murmel – irgendetwas Schönem für mich. Meine........

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