»Du fehlst, Paul«
29. April 2026 – 12. Ijar 5786
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Vor 20 Jahren starb Paul Spiegel. Als Zentralratspräsident hat er das Land geprägt und sich für Verständigung eingesetzt. Wie würde er auf das Heute blicken? Gedanken von Gisèle Spiegel
Es sind 20 Jahre vergangen, seit mein Mann Paul nicht mehr unter uns ist. Es ist eine Zeitspanne, die sich kaum greifen lässt. Einerseits liegt so viel Leben dazwischen. Andererseits ist er in meinem Alltag bis heute präsent – in Gedanken, in Erinnerungen, in Sätzen, die er gesagt hat. Sein Humor, seine Klarheit, seine Haltung – all das begleitet unsere Familie bis heute.
Wenn ich auf diese 20 Jahre zurückblicke, empfinde ich vor allem eines: STOLZ! Stolz auf das, was er in so wenigen Jahren als Präsident des Zentralrats erreicht hat. Stolz darauf, dass seine Stimme nicht verstummt ist, dass sein Name bis heute für etwas steht!
Er war kein lauter Mensch. Aber er war klar. Und er war erreichbar.Vielleicht war genau das seine besondere Stärke, dass er Menschen nicht von oben begegnet ist, sondern auf Augenhöhe. Dass er zuhören konnte – und gerade deshalb auch gehört wurde! Paul war ein zutiefst positiver Mensch. Kein naiver Optimismus – sondern eine bewusste Entscheidung.
Er hatte früh erfahren, was Menschen einander antun können. Er musste als dreijähriges Kind ohne Eltern bei Bauern in Belgien versteckt sein und verlor in dieser Zeit seine Schwester, die nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde.
Und trotzdem wurde er kein verbitterter Mensch. Er war überzeugt davon, dass man das Erlebte nicht in Bitterkeit, sondern in Verantwortung und........
