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Wie aus berechtigter Kritik kollektive Abrechnung wurde

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10.02.2026

Als Jude in Deutschland konnte man kaum wütender sein, als bekannt wurde, dass Gil Ofarim gelogen hatte. Mit seiner Falschbeschuldigung beschädigte er das Leben eines unschuldigen Hotelmitarbeiters und schadete zugleich all jenen Jüdinnen und Juden, die tatsächlich von Antisemitismus betroffen sind. Er bediente damit das seit der Schoa bekannte antisemitische Narrativ der »ewigen Opferrolle«, an dem sich viele in unserer Gesellschaft nur allzu gern ergötzen. Sein weinerliches Video, in dem er auf Kosten anderer log, wurde zu Recht massiv kritisiert – und die Konsequenzen, die er tragen musste, waren gerechtfertigt.

Doch die Vehemenz, mit der viele seine Teilnahme am RTL-Dschungelcamp verurteilten, richtete sich häufig nicht mehr gegen die Person Ofarim oder den konkreten Skandal. Vielmehr entstand der Eindruck, dass hier tief verwurzeltes antisemitisches Gedankengut an einem schuldigen Juden gesellschaftlich legitimiert wurde. Es gab keinen Funken Erbarmen mit dem Juden, »an dem man sich abarbeiten darf«, wie Autorin Laura........

© Juedische Allgemeine