Warum Punk so jüdisch ist
31. August 2026 – 18. Elul 5786
AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service
AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service
Warum Punk so jüdisch ist
In New York fing es an. In London wurde es Modetrend. Aber was hat eigentlich Lenny Bruce damit zu tun?
Nein, Punkrock ist keine jüdische Musik, trägt aber eine gewaltige Portion Jüdischkeit in sich, wenn nicht sogar den Anfang vom Ganzen. »Punk hat dieselbe nervöse Energie, dieselben shpilkes, die schon Abraham, Isaak und Jakob in sich spürten«, schreibt Kulturjournalist Steven Lee Beeber in seinem Klassiker The Heebie-Jeebies at CBGB’s.
Lenny Kaye, so etwas wie der Mystiker unter den frühen Punks, der in den 60er-Jahren das Pre-Punk-Album Nuggets veröffentlichte, schrieb gleich die »Zehn Gebote des Punk« und sagte: »Ich sehe mich als einen Gelehrten des Talmuds der Rockmusik. Juden waren schon immer ein Volk von Schriftstellern. Was ist die Bibel anderes als eine Auslegung der Bedeutung von Kunst? Und was sind Bibelwissenschaftler anderes als Kritiker der Bibel? Ich sehe mich gern als Teil dieser Tradition.«
Anti-Haltung zur amerikanischen Massenkultur der 60er-Jahre
Punk entstand als Anti-Haltung zur amerikanischen Massenkultur der 60er-Jahre und war laut Beeber zugleich eine unbewusste Reaktion auf die Schoa: eine Rebellion gegen den Opferstatus. Punk spottete, Punk war ironisch, schneidend, sarkastisch, unberechenbar. Und die Jugendbewegung aus New York wurde so groß, dass sie aus Teenagerzimmern auf die Straße, in die New Yorker Klubszene führte und in den späten 70er-Jahren mit den Sex Pistols Großbritannien erreichte. Von dort ging es in die Welt.
Der Punk-Look trennte Jung von Alt und machte die Revolte zum Trend.
Der Punk-Look trennte Jung von Alt und machte die Revolte zum Trend.
Der frühe Punk klingt roh und amateurhaft. Man musste kein Instrument beherrschen, um dabei zu sein, denn jeder sollte dabei sein können. Punk machte den Alltag zum Drama. Einer, der ihn zum Modestil machte, war Malcolm McLaren, dessen Familie mütterlicherseits aus der sefardischen Gemeinde Londons stammte. Der Manager der Sex Pistols und der New York Dolls prägte den Look der Sadomaso-Fantasie in Bikerklamotten, zuweilen sogar mit Nazi-Symbolen als Schockfaktor und Nietenstiefeln. Möglichst unnatürlich, bizarr, trashy. Mit grob gefärbten, dornigen Frisuren, zerfetzten Kleidern, auf kaputt geschminkten Gesichtern trennte er Jung von Alt, machte die Revolte zum Stil und den Stil zum Trend.
Neues geschaffen und Altes zerstört
»Ich habe Kleidung gemacht, die wie Ruinen aussah. Ich habe etwas Neues geschaffen, indem ich das Alte zerstört habe«, sagte McLaren. »Das war Mode nicht als Ware, sondern Mode als Idee.«
»I belong to the blank generation and I can take it or leave it each time«, sangen Richard Hell & The Voidoids 1977. »Ich gehöre zur leeren........
