Vom Feiern zum Schock
29. Juli 2026 – 15. Aw 5786
AboAngebote PrintAbo-Service
AboAngebote PrintAbo-Service
Vom Feiern zum Schock
Auch viele queere Jüdinnen und Juden tanzten fröhlich auf Berliner Straßen – bis der Anschlag geschah
Es war ein perfekter Tag für den Christopher Street Day (CSD). Das Wetter spielte mit, und auch die Stimmung versprach gut zu werden. Als Ariel Elbert, im Vorstand von »Keshet Deutschland«, am Samstagmorgen in Stendal in den Regionalexpress nach Berlin stieg, war der Zug noch leer und Ariel zunächst allein auf dem Weg zum CSD. An jedem Bahnhof stiegen dann viele weitere Leute mit demselben Ziel ein.
»Auch zahlreiche Jugendliche waren darunter. Da habe ich gespürt, wie wichtig diese Veranstaltung für alle ist.« Und das Motto – »Haltung ist hot« – passte. Es bedeutet, dass die queere Community groß ist: »Wir sind viele, wir tanzen weiter, aber wir brauchen Unterstützung.« Denn die Feindseligkeit gegenüber Schwulen, Lesben oder Transpersonen nehme zu – auch weil die Sichtbarkeit wachse.
Die Vereine Keshet Deutschland und »Quarteera« hatten sich für den CSD zusammengetan und den Wagen mit der Nummer 8 gemeinsam gestaltet. Mehr als 60 Leute hätten auf dem Gefährt gefeiert. Der Wagen habe unter Polizeischutz gestanden, berichtet Ariel am Montag. Wie auch die gemeinsame Laufgruppe der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) und von »Keshet Europe«.
Anfeindungen gegen jüdische Laufgruppe
»Es war ein wirklich schöner Morgen«, sagt auch Tim Kurockin. Gut gelaunt trafen sich die Mitglieder und Freunde der JSUD und von Keshet Europe, um gemeinsam die etwa 70-köpfige Laufgruppe beim CSD zu bilden. Doch der Tag, der so fröhlich begonnen hatte, endete abrupt und auf schreckliche Weise nach einem islamistischen Anschlag am späten Abend. Gegen 22 Uhr fuhr im Tiergarten ein weißer Kleintransporter in die feiernde Menschenmenge. Eine Frau kam ums Leben, mehr als 25 Teilnehmer wurden verletzt. Ein Schock für alle.
Dabei war bis dahin alles verhältnismäßig gut gelaufen. Die meisten Zuschauer hätten sich gefreut, die jüdische Laufgruppe zu sehen, und ihnen zugejubelt. Allerdings gab es auch Anfeindungen. Einige Teilnehmer seien bedrängt und beleidigt worden, berichtet Tim.
»Queerness ist verhasst, aber das Jüdischsein legt noch eine Schippe drauf.«
»Queerness ist verhasst, aber das Jüdischsein legt noch eine Schippe........
