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Reformpädagoge in schwieriger Zeit

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23.02.2026

23. Februar 2026 – 6. Adar 5786

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Reformpädagoge in schwieriger Zeit

Ein deutsch-israelisches Autorenduo zeichnet das Leben und Wirken filmisch nach

Wer war Sally Bein? Um welche Art von Einrichtung hat es sich bei der Israelitischen Erziehungsanstalt Wilhelm-Auguste-Viktoria-Stiftung gehandelt? Und wie wurde das Heim von 1908, dem Jahr seiner Gründung, bis zur Schließung im Jahr 1942 in Beelitz, einem südwestlich von Berlin gelegenen Städtchen, geführt? All diesen Fragen und noch viel mehr geht eine rund 30-minütige Filmreportage nach, die die gebürtige Potsdamerin Tatjana Ruge gemeinsam mit dem Israeli Ronny Dotan gedreht hat. Die Kinder von Sally Bein – Die Israelitische Erziehungsanstalt in Beelitz lautet der Titel.

Das Ergebnis ist ein unaufgeregtes Porträt einer Schule, in der die Kinder durch progressive und von Sally Bein eigens entwickelte Fördermethoden dazu gebracht wurden, trotz ihrer jeweiligen Einschränkungen nach der 10. Klasse ordentliche Abschlüsse zu erwerben.

Darüber hinaus erlernten sie auch Fähigkeiten, die es ihnen ermöglichen sollten, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, beispielsweise ein Handwerk, das Kochen oder Gartenbau. »Bein hat sich auch sehr für die Schüler engagiert, nachdem sie das Heim verlassen hatten«, weiß Tatjana Ruge zu berichten. Ein Mädchen konnte beispielsweise durch seine Vermittlung bei einer Berliner Familie seine Arbeit als Dienstmädchen antreten.

Als Schulleiter genoss Sally Bein weltweit höchstes Ansehen

Über fünf Jahre hinweg haben Ruge und Dotan in detektivischer Kleinstarbeit alles zum Thema zusammengetragen. Dafür wurden Archive wie das im Centrum Judaicum, wo sich der gesamte Schriftwechsel aus den Jahren 1908 bis 1933 befindet, durchforstet. Auch im Stadtarchiv von Beelitz stellte ein engagierter Archivar zahlreiche Unterlagen zur Verfügung. Geburtsurkunden der Kinder wurden angefordert, Unterlagen der Entschädigungsbehörde gesichtet, schließlich kam es zu Gesprächen mit Zeitzeugen und Nachfahren.

Erschwert wurden die Nachforschungen dadurch, dass ehemalige Heimkinder und deren Angehörige über die Welt verstreut leben. In Israel fand Dotan schließlich noch die über 90-jährige Masha Ur, eine Nichte von........

© Juedische Allgemeine