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Ins Leben zurückgekämpft

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31.12.2025

Als sich die Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg im April zum 80. Mal jährte, hielt Emilia Rotstein eine Gedenkrede. Sie ist die Tochter des Holocaust-Überlebenden Leon Weintraub, und mit berührenden Worten erzählte sie von ihrem Vater, der unter den Gästen saß: wie er im Februar 1945 als Gefangener mit der Häftlingsnummer 82707 nach Flossenbürg kam und erlebte, wie sich ein Haufen von Menschenkörpern in Häftlingsanzügen über den Appellplatz bewegt. Um die Eiseskälte des Lagers auszuhalten, klammerten sich diese bibbernden und zitternden Gefangenen aneinander – wie an einen menschlichen Ofen.

Bei der Schilderung kämpften Vater und Tochter zugleich mit den Tränen. »Vergessen würde den Überlebenden abermals das Leben rauben«, sagte seine Tochter. Weintraub saß aufrecht im Anzug mit Fliege unter den rund 1000 Gästen, ein Grandseigneur mit scharfem Verstand. Am 1. Januar nun wird Leon Weintraub 100 Jahre alt.

Weintraub, der polnische Jude, 1926 in Łódź geboren, hat immer wieder über diese für ihn ikonische Szene berichtet, weil sie etwas mit ihm gemacht habe: »Ich betrete den Appellplatz, und sofort kommen leichte Störungen und Vibrationen vom Boden über die Füße an meinen Körper. Es sind die Erinnerungen an diesen Haufen von Menschenkörpern in der Gefangenenzeit«, sagte Weintraub vor zwei Jahren in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Der spätere Arzt emigrierte 1969 von Warschau nach Schweden.

Bis heute gebe es diese Bilder von Flossenbürg in seinem Kopf, »obwohl ich zu dieser Zeit mehr tot als lebendig war«, berichtete er. Das Übernachten in extrem beengten Verhältnissen, die Kälte und der Hunger: »Das habe ich nicht einmal in Auschwitz so erlebt oder in den Außenlagern von Groß-Rosen wie in diesem furchtbaren Flossenbürg.«
In dem Oberpfälzer Konzentrationslager vegetierten die Gefangenen dahin, apathisch, ausgemergelt von den Arbeiten im Steinbruch und dem permanenten Hunger: »Der Tod war etwas Gegebenes. Es war keine Überraschung, dass man sterben sollte.«

Bei seiner Befreiung wog Weintraub nur noch 35 Kilo und wurde wegen Typhus behandelt.

1939 war er 14 Jahre........

© Juedische Allgemeine