Erfolg und Versagen
25. Februar 2026 – 8. Adar 5786
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Konstantin Richter beschreibt deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1871 – und das Schicksal des jüdischen Bankiers Hermann Wallich
Nein, der Titel ist keine Provokation. Dreihundert Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG zitiert aus einem Essay von Walther Rathenau, denn der AEG-Manager und spätere Außenminister der Weimarer Republik fasste bereits 1909 zusammen, wer die Wirtschaftsgeschichte in Deutschland ab 1871 entscheidend beeinflusst hat. Es waren 300 Männer, alle untereinander bestens vernetzt. Über sie hat der Journalist Konstantin Richter einen Bestseller verfasst, der mit dem Vorurteil aufräumt, Wirtschaftsgeschichte sei per se erst einmal langweilig.
Sie ist es nicht, wenn der Autor aus ihr eine fundierte und unterhaltsame Kulturgeschichte entwickelt. Er beleuchtet auf knapp 550 Seiten das Phänomen des deutschen Fleißes, der deutschen Erfindungskraft, des Wagemuts, aber auch der starren hierarchischen Strukturen, der Männerbündelei (Frauen durften zu Hause beraten und »den Rücken freihalten«), des Gehorsams in der NS-Zeit bis hin zu den Verbrechen der IG Farben und des späteren, momentan deutlich spürbaren Niedergangs der Deutschland AG. Richter, der für das »Wall Street Journal«, die »New York Times«, den »Guardian« und die »ZEIT« tätig war, hat sechs Jahre an diesem Werk gearbeitet, in Archiven recherchiert, er ist gereist, hat Interviews geführt und schließlich bei Suhrkamp sein Buch veröffentlicht.
Von der Gründerzeit bis zur Gegenwart
Die Geschichte der großen deutschen Industriemagnaten beginnt mit einem der Vorstände einer 1870 noch kleinen Bank, die zunächst deutsche Unternehmen im........
