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»Eine Gemeinde muss wie ein Business geführt werden«

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25.06.2026

25. Juni 2026 – 10. Tamus 5786

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»Eine Gemeinde muss wie ein Business geführt werden«

»Eine Gemeinde muss wie ein Business geführt werden«

Vor 30 Jahren reiste Rabbiner Yehuda Teichtal mit einem One-Way-Ticket nach Deutschland und baute die Berliner Chabad-Gemeinde auf. Ein Gespräch über Glauben und Management

Rabbiner Teichtal, Sie wurden 1972 in Brooklyn geboren. Wie sind Sie aufgewachsen?Um zu verstehen, woher ich komme, muss ich ein wenig ausholen. Mein Urgroßvater Shlomo Teichtal war ein sehr bekannter Rabbiner. Er wurde in Polen geboren, seine Vorfahren stammten aus Deutschland und waren seit vielen Generationen Rabbiner. Während des Holocaust wurde er zunächst nach Auschwitz deportiert. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs befand er sich auf einem Todestransport und wurde dort am 27. Januar 1945 ermordet – am Tag der Befreiung von Auschwitz.

Welches Bild von Deutschland herrschte in Ihrer Familie?Natürlich war es von der Schoa geprägt: 63 Mitglieder unserer Familie wurden im Holocaust ermordet. Bei uns zu Hause durfte keine Bosch- oder AEG-Waschmaschine gekauft werden. Gleichzeitig schauten wir nach vorn.

Ihr Urgroßvater wurde ermordet, sein Sohn floh vor den Nazis nach Frankreich …Ja, dort lernte er Rabbiner Menachem Mendel Schneerson kennen, den berühmten Rebben. Beide flohen weiter in die USA. Ich bin in Rabbi Schneersons Synagoge aufgewachsen, 770 Eastern Parkway. Er war ein unglaublicher Mensch. Es war nicht so, dass er für uns Kinder eine Autoritätsperson war, er war immer auf Augenhöhe, ganz persönlich. Er hat an das Potenzial aller Menschen geglaubt. Er war es, der Chabad in die ganze Welt gebracht hat: Er hat darauf geachtet, dass die Jiddischkeit in jeden noch so letzten Ort einzieht. Auch bis nach Berlin.

Rabbi Schneerson selbst hatte in Berlin studiert. Später musste er vor den Nazis fliehen, erst nach Frankreich, später in die USA. Wieso hat er weiter an das jüdische Leben in Berlin geglaubt?Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte die Europäische Rabbinerkonferenz, Deutschland mit einem sogenannten »Cherem« zu belegen, also als dauerhaften Wohnort für Juden zu verbieten. Das hatte man 1492 schon mit Spanien gemacht, nach der Inquisition. Niemand sollte mehr versuchen, in Deutschland jüdisches Leben aufzubauen. Und der Rebbe hat sich damals explizit in diesen Kreisen dagegen ausgesprochen.

Was war der Grund?Definitiv kann ich das nicht sagen. Vielleicht hat er vorhergesehen, dass nach dem Mauerfall 200.000 Juden aus Osteuropa hier eine neue Heimat finden würden. Ich weiß aber, dass er bereits in den 70er-Jahren Menschen nach Berlin schickte, um Kontakt zu den wenigen dort verbliebenen oder gestrandeten Juden aufzunehmen. Ein Berliner Jude besuchte ihn jedes Jahr zu Rosch Haschana in New York. Der Rebbe gab ihm dann stets einen »Lekach«, einen Honigkuchen für ein süßes neues Jahr, mit und sagte: »Das ist für West-Berlin.« An Rosch Haschana 1989 war es anders: Diesmal gab er ihm gleich einen Stapel Honigkuchen mit und sagte: »Das ist für West-Berlin.« Niemand verstand, was er damit meinte. Einen Monat später fiel die Mauer.

Sie kamen 1996 nach Berlin. Warum?Mein Schwiegervater, der Oberrabbiner von Cholon in Israel, war schon 1990 nach Berlin gekommen, um den beginnenden Zuzug von Juden aus der Sowjetunion rabbinisch zu betreuen. Dadurch wussten wir, dass hier ein großer........

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