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Sie alle hatten einen Namen

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28.09.2026

28. September 2026 – 17. Tischri 5787

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Sie alle hatten einen Namen

In der Schlucht bei Kyjiw ermordeten deutsche Täter am 29. und 30. September 1941 innerhalb von zwei Tagen rund 34.000 Jüdinnen und Juden

Ich schreibe nicht als Historiker. Ich schreibe, weil ich erinnern möchte. Ich schreibe meine Gedanken und Gefühle nieder, in der Hoffnung, Menschen zu erreichen, die bereit sind hinzusehen. Damit das Vergangene nicht fern, abstrakt oder vergessen bleibt.

Auslöser war ein Badge der Ancre Somme Association Charity, vertrieben über den Empire Poppy Store, zum 85. Jahrestag des Massakers von Babyn Jar. Ein kleines Abzeichen, das Erinnerung sichtbar machen soll. Bei mir erreichte es genau das.

Es blieb nicht nur ein Gegenstand. Es wurde zu einer Frage, die mich nicht mehr losließ: Was weiß ich wirklich über diesen Ort?

Babyn Jar. Eine Schlucht bei Kyjiw. Ein Ort, an dem deutsche Täter am 29. und 30. September 1941 innerhalb von zwei Tagen etwa 34.000 Jüdinnen und Juden ermordeten.

Der deutsche Einsatzgruppenbericht nennt für diese beiden Tage die Zahl von 33.771 Ermordeten

Der deutsche Einsatzgruppenbericht nennt für diese beiden Tage die Zahl von 33.771 Ermordeten. Diese Zahl stammt aus der Täterüberlieferung und vermittelt eine Genauigkeit, die das tatsächliche Ausmaß des Mordens nicht bis auf den einzelnen Menschen erfassen kann. Deshalb ist es angemessener, von etwa 34.000 Ermordeten zu sprechen.

Doch auch diese Zahl umfasst nur das große Massaker vom 29. und 30. September 1941. Das Morden in Babyn Jar ging während der gesamten deutschen Besatzungszeit weiter. Insgesamt wurden dort schätzungsweise 40.000 bis 50.000 Jüdinnen und Juden ermordet.

Diese Zahlen müssen genannt werden. Sie zeigen das Ausmaß des Verbrechens. Aber Erinnerung darf bei ihnen nicht stehen bleiben.

Bevor Babyn Jar zum Ort des Todes wurde, war Kyjiw eine Stadt mit lebendigem jüdischem Leben. Jüdinnen und Juden lebten in Kyjiw, arbeiteten dort, lernten, liebten und sorgten für ihre Familien. Sie hatten Wohnungen, Berufe, Erinnerungen und Pläne.

Doch auch vor der deutschen Besatzung war jüdisches Leben in der Sowjetunion erheblichen staatlichen Einschränkungen ausgesetzt. Viele Synagogen waren geschlossen worden. In den 1930er-Jahren wurden jüdische Kultur- und Bildungseinrichtungen zunehmend zurückgedrängt; auch das Netz jiddischsprachiger Schulen schrumpfte stark.

Trotz dieser Einschränkungen blieb Kyjiw ein bedeutender Ort jüdischen Lebens. Jüdinnen und Juden waren Teil der Stadtgesellschaft – als Nachbarn, Freunde, Familienangehörige, Kolleginnen und Kollegen, Mitschülerinnen und Mitschüler. Ihr Leben gehörte zu dieser Stadt und zur Geschichte der Ukraine.

Bevor sie Opfer wurden, waren sie Bürgerinnen und Bürger – mitten im gemeinsamen Leben dieser Stadt.

Hinter den Zahlen standen Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten und Lebensbedingungen. Kinder und Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen. Sie lernten, arbeiteten, gründeten Familien, liebten, stritten, sorgten sich, hofften und machten Pläne. Ihr Alltag war von den politischen und gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Zeit ebenso geprägt wie von persönlichen Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen.

In Babyn Jar wurden nicht nur Menschen ermordet. Mit ihnen wurden Beziehungen zerrissen, Familien zerstört und Zukunft genommen.

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Wenn meine Töchter mich fragen

Am 8. Mai 1945 wurde der NS-Staat besiegt, aber nicht das Denken, das ihn ermöglicht hat. Der Hass wächst heute wieder. Werde ich meinen Kindern einmal sagen können, dass ich nicht geschwiegen, sondern widersprochen habe?

Leider kann ich nicht von allen Opfern erzählen. Einige ihrer Namen habe ich bei Yad Vashem gelesen. Zwei von ihnen möchte ich herausgreifen – nicht. weil sie für alle sprechen können, sondern weil ich durch sie stellvertretend und mit größtem Respekt an alle Opfer erinnern möchte.

Pola Perlovitz wurde 1924 in Kyjiw geboren. Sie war Schülerin und erst 17 Jahre alt.

Meine Tochter Elena ist heute 18 Jahre alt – fast genau in dem Alter, in dem Pola ermordet wurde

Meine Tochter Elena ist heute 18 Jahre alt – fast genau in dem Alter, in dem Pola ermordet wurde. Elena ist voller Lebensfreude und Zukunftspläne. Wenn ich sie ansehe, wird für mich noch greifbarer, was die Zahl 17 bedeutet.

Wir wissen nicht, wovon Pola träumte oder welche Pläne sie hatte. Mit 17 hätte ihr ganzes Leben noch vor ihr liegen müssen. Stattdessen wurde sie in Babyn Jar brutal ermordet.

Viele Jahre später erinnerte sich ihre ehemalige Mitschülerin Maria Kolominskaya an Pola und reichte bei Yad Vashem ein Gedenkblatt für sie ein. So blieb Polas Name erhalten – und mit ihm die Erinnerung an ein 17-jähriges Mädchen, dessen Leben in Babyn Jar ausgelöscht wurde.

Für diesen Einsatz für die Erinnerung bin ich Maria Kolominskaya sehr dankbar. Denn durch Menschen wie sie erfahren wir heute, welche Namen hinter den Zahlen stehen – und dass jeder dieser Namen für einen Menschen, ein Leben und eine Geschichte steht.

Mariya Rubchinskaya wurde 1935 geboren, lebte in Kyjiw und wurde nur sechs Jahre alt

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Mariya Rubchinskaya wurde 1935 geboren, lebte in Kyjiw und wurde nur sechs Jahre alt. Ihre Mutter Sofiya Rubchinskaya, geborene Livshitz, war 43 Jahre alt und Zahnärztin. Am 29. September 1941 wurden Mutter........

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