Im Schneckentempo: Die elektronische Patientenakte startet mühsam
Die Digitalisierung gilt auch im Gesundheitswesen als ein Problemlöser. Aber sie muss gut gemacht sein. Natürlich ist es ein Gewinn für alle, wenn ein Erkrankter raschen Zugriff auf all seine Gesundheitsdaten hat, wenn sie zentral in einer Akte gespeichert sind: mit Vorerkrankungen, Diagnosen, Laborbefunden und Röntgenbildern. Das verspricht eine effiziente, schnellere und kostengünstigere Behandlung.
Nur wenige Widersprüche gegen die Akte
Vor einem Jahr ist deshalb von den gesetzlichen Krankenkassen die elektronische Patientenakte für alle Versicherten herausgegeben worden. Dass nur sehr wenige Bürger und Bürgerinnen gegen ihre Einführung Widerspruch eingelegt hatten – fünf Prozent –, war damals als große Akzeptanz für die ePA verstanden worden. Ein Irrtum. Die Bilanz, die jetzt die Verbraucherschützer und Ärzteverbände gezogen haben, ist ernüchternd.
Ministerin Warken denkt an die ferne Zukunft
Nur ein Bruchteil der Versicherten nutzt die digitale Akte. Ärzte klagen über technische Probleme, mangelnden Datenschutz, zu hohe Hürden bei der Registrierung und schwierige Datensuche in der Akte. Gesundheitsministerin Nina Warken hat hochfliegende Pläne mit der elektronischen Patientenakte. Sie will sie als „Begleiter in der Versorgung“ etablieren und mithilfe von KI eines Tages sogar eine digitale Ersteinschätzung von Diagnosen ermöglichen. Das ist alles richtig.
In Dänemark dauerte die Einführung ein Jahrzehnt
Vor dieser Zukunftsmusik aber sollte die ePA rasch nutzerfreundlicher gestaltet werden, um ihre Akzeptanz zu erhöhen. Ist Digitalisierung schlecht gemacht, schreckt sie nur ab. Vielleicht brauchen alle Beteiligten aber auch Geduld. In Dänemark hat die stufenweise Einführung der ePA ein Jahrzehnt gedauert. Jetzt wird sie dort allgemein akzeptiert.
