Obama lässt in Chicago Hoffnung aufkeimen – Zuhörer atmen auf
Es war wie die Reise in eine längst vergangene Zeit. Hörenswerte, kluge Reden. Erlesene Künstler. Das wahre Who-is-Who der Querschnitts-Prominenz der Republik, darunter drei ehemalige Präsidenten. Eine Atmosphäre des Wir – nicht des Wir-gegen-die. Vor allem: Dezenz. Und die Abwesenheit jener toxischen Vulgarität und uferlosen Borniertheit, die der amtierende Präsident täglich über sein Land kippt.
Die Eröffnung der neuen Präsidenten-Bibliothek von Barack Obama in Chicago war eine willkommene Detox-Kur von der Giftigkeit des Polit-Alltags. Man musste nur ein paar Minuten zusehen, um zu begreifen, warum die Eröffnung so viele Menschen beinahe körperlich traf. Es war nicht bloß Nostalgie. Sondern ein kollektives Aufatmen, dass es so etwas überhaupt noch gibt – ein Amerika, das bei allen Meinungsverschiedenheiten doch noch anders klingen kann: würdig, großzügig, gebildet, streitbar. Ohne dass den Protagonisten die Verachtung für Andersdenkende aus jeder Pore schießt.
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