„Sie sind ja eh nur Sozialarbeiterin“
In Sandesneben, eine halbe Stunde von Hamburg, fahren unmarkierte weiße Transporter über die Dörfer. Wer einen sieht, denkt an Handwerker. Aber innen werden gewaltbetroffene Frauen beraten, auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt oder der Schule. Auf dem Dorf betritt niemand unbemerkt eine Beratungsstelle, also kommt die Beratung zu den Frauen.
Miriam Peters hat die Land-Grazien 2020 gegründet. Weil der Bedarf so groß ist, ist die Organisation schnell gewachsen. Vor einem halben Jahr ist die Sozialarbeiterin aus den Transportern ins Büro umgestiegen, um sich um das Geld zu kümmern. Da gab es zu tun: Die Kontogebühren ihrer Organisation waren höher als die Zinsen. Sie fragte bei zwei Banken nach einer Anlage. Bei der Sparkasse bekam sie zu hören: „Sie sind ja eh nur Sozialarbeiterin.“
Der Satz ist unverschämt. Er ist aber auch ein schlechtes Geschäft. Private Organisationen ohne Erwerbszweck (Vereine, Stiftungen, Kirchen und Verbände) hatten Ende 2025 rund 74 Milliarden Euro an Bargeld und Einlagen bei Banken liegen. 45 Milliarden davon auf Sichtkonten, täglich verfügbar und so gut wie unverzinst.
Zur Einordnung: Für solche Einlagen zahlten Banken im Euro-Raum Unternehmen im Juli 0,6 Prozent. Die Banken selbst bekommen für dasselbe Geld bei der Europäischen Zentralbank über Nacht 2,5 Prozent.
In Sandesneben, eine halbe Stunde von Hamburg, fahren unmarkierte weiße Transporter über die Dörfer. Wer einen sieht, denkt an Handwerker.........
