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Wie viel ist genug? Drei Antworten und der Grund, warum so wenige Reiche sie finden

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11.02.2026

„Ist dein Hunger nie gestillt? Ist dein Durst nie gelöscht?“ – „Ja, ich bin satt, ich bin müde vom Essen und Trinken; aber ich fürchte, dass morgen keine Erde mehr zum Essen da ist und kein Meer mehr zum Trinken.“ Kahlil Gibran, „Der Plutokrat“

172 Milliardäre leben in Deutschland. Vor einem Jahr waren es noch 129. Das Gesamtvermögen: 840 Milliarden Dollar, ein Plus von 30 Prozent. Angeführt von Dieter Schwarz (Lidl, 46,5 Milliarden), den Klattens und Quandts (BMW, 50 Milliarden), Reinhold Würth (30 Milliarden). Oxfam präsentierte diese Zahlen im Januar zum Weltwirtschaftsforum in Davos.

In meinen Gesprächen mit Vermögenden höre ich derzeit angesichts wachsender Unsicherheit an den Märkten etwas Paradoxes: Je größer das Vermögen, desto größer die Verlustangst. Ein Vermögensverwalter erzählte mir kürzlich: Seine Klienten mit 100 Millionen Euro fürchten sich mehr vor Verlusten als die mit kleinen Bruchteilen davon. Die Psychologie dahinter: Je mehr man zu verlieren hat, desto schwerer fällt die Antwort auf die Frage: „Wie viel ist genug?“

Das ist nicht nur ein Luxusproblem für einige wenige. Es ist ein Strukturproblem für eine Generation von Erbenden. Mit drei Ursachen.

Erstens: Die Familienpsychologie. In vielen vermögenden Familien herrscht ein unausgesprochener Glaubenssatz: „Das Geld gehört nicht dir. Du........

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