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Trump fordert Aufstand im Iran – und riskiert das Leben Tausender

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02.03.2026

Trump fordert Aufstand im Iran – und riskiert das Leben Tausender

Stand: 02.03.2026, 17:56 Uhr

Von: Sereina Donatsch

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Der US-Präsident fordert den Aufstand im Iran – und riskiert das Leben Tausender. Dabei agiert Trump alles andere als souverän. Der Kommentar.

Die Nachricht kam am Sonntagmorgen: Irans oberster Führer Ali Chamenei ist tot. Ist das eine gute Nachricht? Für viele ja. Ein Regime, das Proteste mit äußerster Brutalität niederschlägt und Zehntausende töten lässt, hat jeden Anspruch auf moralische Schonung verspielt. Ein Tyrann weniger. Und doch bleibt der Weg dorthin falsch: Der Angriff war völkerrechtswidrig.

Und wer jetzt bereits das Ende des Regimes ausruft, verkennt die Realität. Die Strukturen hinter der Machtzentrale um Chamenei sind tief verwurzelt, getragen von einem Apparat aus Militär, Geheimdiensten und religiösen Institutionen. Das System steht weiter und zugleich herrscht Krieg. Für die Bevölkerung bedeutet das eine doppelte Bedrohung: das Regime im Innern und die Bomben von außen. Die Menschen geraten zwischen die Fronten – und das ohne Schutz.

Der Angriff von außen schafft also keine Freiheit, sondern Chaos. Selbst diejenigen, die Hoffnung empfinden, tun es im Ausnahmezustand. In einem Krieg organisiert sich keine Demokratie.

Donald Trump tut dennoch so, als ließe sich Freiheit von außen erzwingen. Er fordert die Iraner:innen auf, die „Gelegenheit“ zu nutzen und das Regime zu stürzen. Doch was heißt das? Wer gerade versucht, Schutz vor Raketen zu finden, führt keinen politischen Umbruch. Wer riskiert, erschossen zu werden, geht nicht massenhaft auf die Straße. Diese Aufforderung ist nicht nur zynisch, sondern auch politisch verantwortungslos.

Dem US-Präsidenten scheint das im Zweifel egal. Er deutet bereits an, den Machtwechsel nach venezolanischem Muster zu gestalten: Das würde bedeuten, nicht das System zu stürzen, sondern es mit neuen, kooperationsbereiten Köpfen weiter walten zu lassen. Trump geht es weniger um einen Regimewechsel als um Kontrolle: Wer in Teheran regiert, ist zweitrangig – solange das Land auf Atomprogramm und Raketen verzichtet.

Zugleich handelt Trump dabei wie so oft erratisch, getrieben vom Bedürfnis, Stärke zu demonstrieren. Der mächtigste Mann der Welt agiert wie jemand, der aus Wut mit Legosteinen um sich wirft, wenn er seinen Willen nicht bekommt. Israels Premier Benjamin Netanjahu nutzt das.

Doch entscheidend ist auch, was im Iran selbst geschieht. Wer übernimmt die Macht, wenn das Regime stürzt? Reza Pahlavi, der im Exil lebende Sohn des gestürzten Schahs, bietet sich als Übergangsfigur an und verspricht freie Wahlen. Doch wie groß seine Unterstützung ist und ob am Ende nicht doch eine Rückkehr monarchischer Macht droht, bleibt ungewiss.

Auch die europäische Diplomatie ist gescheitert: Jahrelange Verhandlungen und Abkommen haben weder das Regime im Iran eingehegt noch Europa dort Einfluss gesichert. Europa schaut zu in einem Krieg, der die Sicherheit des Kontinents unmittelbar betrifft – und hat kaum Einfluss.


© Frankfurter Rundschau