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Der Preis eines Mondrian

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03.03.2026

Der Preis eines Mondrian

Stand: 03.03.2026, 14:39 Uhr

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Eine Geschichte über Marktwert und Familienwert.

Mehr als uns lieb war, wurde uns unlängst klar, wie tief die Unterhaltungssendung „Bares für Rares“ in unser Bewusstsein vorgedrungen ist. Wir erlebten eine Art Horst-Lichter-Moment, allerdings ohne die feierliche Übergabe einer Händlerkarte.

Ein Erbstück, beinahe unbemerkt hatte es jahrelang das familiäre Esszimmer geziert. Zuletzt hing es an einer Wand der Pflegeeinrichtung meiner Schwiegermutter, um ihr einen Hauch von Vertrautheit zu vermitteln. Die Signatur war uns nicht entgangen: Mondriaan – der Name des bedeutenden niederländischen Malers – stand unten rechts in Druckbuchstaben, aber wir wussten wenig bis nichts über die Geschichte und den Erwerb des Bilds. Max, so hieß es, habe es während seiner Berufsjahre in den Niederlanden auf einer Auktion erworben. Wohl aufgrund des Motivs, ein Strauß Margeriten, seine Lieblingsblumen. Wir bringen sie manchmal zum Grab.

Zur volkspädagogischen Lektion von „Bares für Rares“ gehört es, nichts arglos von Wänden und aus Regalen zu entfernen. Eine Expertise musste her, ein niedersächsisches Auktionshaus nahm einen Prüfauftrag an, das werde einige Wochen in Anspruch nehmen. Es handele sich um eine Gouache, bei der Farben auf Wasserbasis verwendet werden – so viel ließe sich sagen. Die erste Inaugenscheinnahme durch das Auktionshaus hatte unsere Fantasie angeregt, eine niedrige fünfstellige Summe hatte sich als Gegenwert unweigerlich verfestigt, gesteigert noch durch die zwischenzeitliche Auskunft, dass die Prüfung durch hinzugezogene niederländische Mondrian-Experten noch einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Längst hatten wir gelernt, dass wir es mutmaßlich mit einem Frühwerk zu tun haben. Bis 1908 hatte Piet Mondrian seinen Nachnamen Mondran mit Doppel-a gezeichnet. Nach Aufenthalten in Paris und New York verzichtete er auf ein „a“, um weniger provinziell zu wirken.

Uns hätte stutzig machen können, dass Max nie über das Bild gesprochen hatte. In seiner Bibliothek fanden sich Kunstbände über Picasso, Cezanne, Schmidt-Rottluff und Caspar David Friedrich, aber keiner über Mondrian. Bei einem niedersächsischen Landschaftsmaler hatte Max vorübergehend sogar Malunterricht genommen, er dürfte also gewusst haben, was da für ein Gemälde an seiner Wand hing. Unser Mondriaan war kein abgeschlossenes Gemälde, deutlich waren Bleistiftlinien zu erkennen, mit denen der Maler sein Werk strukturiert hatte. Aus unserer Sicht machte es das Bild nur interessanter, wenngleich wir nicht zu hoffen wagten, es mit einem Schlüsselwerk zu tun zu haben, an dem sich etwa der Übergang vom Gegenständlichen zum Abstrakten ablesen ließe.

Nach wochenlangem Warten war das Ergebnis der Begutachtung ernüchternd. Die Verwendung von Farbe und die allgemeine malerische Qualität entsprächen nicht dem bekannten Œuvre Mondrians. „Der Farbpalette fehlt die Zurückhaltung, Ausgewogenheit und strukturelle Klarheit …“ Zweifel wurden zudem artikuliert in Bezug auf Pinselführung, Kompositionskontrolle und Formgebung. Man sei zu dem Schluss gekommen, „dass es nicht als authentisches Werk von Piet Mondrian angesehen werden kann“.

Die Experten waren so vornehm, nicht von einer Fälschung zu sprechen. Wir beschlossen, das Bild in unserem Besitz zu belassen und es fortan mit einer authentischen Familienerzählung zu versehen, an die sich natürlich Fragen, aber auch Erinnerungen knüpfen.


© Frankfurter Rundschau