FR-üh dran zur bayerischen US-Reise: Söder greift nach den Sternen – und niemand lacht mehr
FR-üh dran zur bayerischen US-Reise: Söder greift nach den Sternen – und niemand lacht mehr
Stand: 30.03.2026, 05:59 Uhr
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Nach Wochen und Monaten mit innenpolitischem Schwerpunkt geht es für Bayerns Regierungschef Söder über den großen Teich in die USA. Das FR-üh dran zur Reise.
FRüh Radar – das steht heute an: Markus Söder ist unterwegs. Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef befindet sich seit Sonntag auf seiner ersten USA-Dienstreise als Regierungschef – und die führt ihn nicht etwa ins Weiße Haus, sondern nach Texas und South Carolina. Heute, am Montag, steht der wohl spektakulärste Termin der Reise an: der Besuch beim NASA Mission Control Center in Houston. Dort, wo seit 1961 das bemannte Raumfahrtprogramm der USA koordiniert wird, will Söder die Kooperation zwischen Bayern und Texas weiter ausbauen.
Geplant ist unter anderem ein gemeinsames Projekt zur KI-Steuerung in der Raumfahrt. „Das künftige Mondkontrollzentrum der Esa ist ja in Bayern, und das wiederum ist dann auch für künftige Missionen Mond, Mars mit der Nasa in Kooperation. Das ist schon was Großes, was da stattfindet.“ Was das für Bayern bedeutet, warum Washington dieses Mal keine Option war und was Söder mit dem weltweit größten BMW-Werk zu tun hat – wir fassen die Hintergründe zusammen und erklären, worauf es heute ankommt.
FR-üh dran: Markus Söder auf US-Reise – die Ausgangslage
Es ist eine Premiere mit Ansage: Markus Söder reist zum ersten Mal als bayerischer Ministerpräsident in die USA. Zuletzt hatte ein bayerischer Regierungschef eine solche Dienstreise unternommen, als Edmund Stoiber 2002 nach Washington fuhr – damals noch als Kanzlerkandidat der Union, weshalb er sogar von George W. Bush empfangen wurde. Söder ist kein Kanzlerkandidat, und in das Weiße Haus führt ihn seine Reise dieses Mal nicht. Ein Treffen mit Präsident Trump ist nicht geplant, wie es heißt.
Also weicht Söder aus. Statt Washington: Texas und South Carolina. Zwei wirtschaftliche Powerhouses der USA, mit denen Bayern bereits enge Verbindungen unterhält. Das BMW-Werk in Spartanburg, South Carolina, ist das weltweit größte Auslandswerk der BMW Group – täglich laufen dort rund 1500 Fahrzeuge vom Band, wie BR24 berichtet. Und in Houston, Texas, befindet sich das NASA Mission Control Center, das seit Jahrzehnten eine enge Verbindung zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München unterhält. Dort entsteht bis 2030 das Kontrollzentrum für Mond- und Marsmissionen.
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Söders Raumfahrtbegeisterung ist bekannt – und lange belächelt worden. Nun soll sie konkrete Früchte tragen. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hatte South Carolina bereits kurz zuvor mit einer Wirtschaftsdelegation besucht und neue Kontakte geknüpft. Söder baut jetzt darauf auf, wie Staatssekretär Tobias Gotthardt laut BR24 betont.
Hier erfahren Sie, worum es geht, worauf es ankommt und woran es hängt: Der NASA-Besuch ist mehr als ein Fototermin mit Raumanzügen. Es geht um handfeste Kooperationen: Ein gemeinsames Projekt zur KI-Steuerung in der Raumfahrt soll entstehen, wie t-online unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Das DLR in Oberpfaffenhofen kooperiert dort bereits seit Jahren mit dem NASA Mission Control Center – Söder will diese Verbindung nun politisch festigen und sichtbar machen. „Das wäre vor 20 Jahren undenkbar gewesen. Heute sind wir auf einem Level“, sagte der Politiker vor der Abreise.
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Das klingt zunächst nach Symbolpolitik. Doch der Kontext macht den Unterschied: In einer Zeit, in der die Trump-Administration Zölle verhängt und transatlantische Beziehungen auf Bundesebene schwieriger werden, setzt Söder auf die Ebene der US-Bundesstaaten. Dort lassen sich Netzwerke pflegen und Partnerschaften ausbauen, ohne in den Sog der großen geopolitischen Verwerfungen zu geraten.
Und Bayern reist dabei keineswegs mit dem Hut in der Hand nach Texas. Das zeigen Zahlen, die das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) ermittelt hat: In 3120 Warengruppen mit einem Gesamtvolumen von rund 290 Milliarden Dollar kommt mindestens jeder zweite importierte Dollar aus der EU. Bei 466 dieser Warengruppen stammt mehr als die Hälfte der US-Importe aus Deutschland – bei 43 ist Deutschland sogar der einzige Lieferant überhaupt, wie BR24 berichtet. Hinter vielen dieser Kategorien stecken Branchen, die in Bayern besonders stark verankert sind: Maschinenbau, Spezialstähle, Werkzeugmaschinen.
Das gibt Söders Gesprächen über US-Zölle eine andere Rahmung. Er sitzt nicht auf der schwachen Seite des Tisches. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) beziffert, dass bayerische Unternehmen in den USA rund 728.000 Arbeitsplätze sichern, wie vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt laut BR24 erklärt. Die USA sind mit einem Anteil von 11,5 Prozent zwar der wichtigste Exportmarkt des Freistaats – aber die Abhängigkeit ist eben keine Einbahnstraße.
Söders US-Reise: Espresso-Argumente für die Kaffeeküche
Mit diesen Argumenten punkten Sie bei der politischen Debatte in der Kaffeeküche: „Das ist doch nur Söder-Showpolitik – NASA-Selfies statt echter Diplomatie.“ Der Einwand klingt vertraut. Doch er greift zu kurz. Gerade weil die Trump-Administration den klassischen diplomatischen Kanal auf Bundesebene für deutsche Gesprächspartner:innen weitgehend verschlossen hat, ist die Ebene der US-Bundesstaaten strategisch klug gewählt. Wirtschaftsbeziehungen werden nicht nur in Washington gemacht – sie entstehen in Spartanburg, in Houston, in Columbia. Dass Bayern dort bereits konkrete Projekte anschiebt, etwa zur KI-Steuerung in der Raumfahrt gemeinsam mit der NASA, ist handfeste Wirtschaftspolitik, kein Bühnenstück.
„Bayern verschwendet Steuergeld für Söders Raumfahrtträume.“ Wer so argumentiert, sollte einen Blick auf Oberpfaffenhofen werfen. Das DLR dort wird bis 2030 zum Kontrollzentrum für Mond- und Marsmissionen ausgebaut – und steht damit in direkter Kooperation mit dem NASA Mission Control Center in Houston. Raumfahrt ist längst kein Luxus mehr, sondern ein Wachstumsmarkt, in dem KI, Satellitentechnologie und Verteidigung zusammenwachsen. Wer heute nicht investiert, schaut morgen zu, wie andere die Verträge unterschreiben.
FR-üh dran – die Lage am Morgen
In unserer Kolumne informieren wir Sie täglich über den wichtigsten Termin des Tages und bereiten Sie als FR-Leser:in auf die politische Debatte in der Kaffeeküche und am Mittagstisch vor, indem wir die passenden Argumente direkt mitliefern. Lesen Sie hier genau, warum „FR-üh dran“ zu Ihrem täglichen Morgenritual werden sollte.
Sie sind anderer Meinung, Ihnen fehlen Argumente oder Sie haben ein Thema, dem wir uns in der Kolumne annehmen sollen? Dann schreiben Sie uns oder diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte unter diesem Artikel.
Lesen Sie hier schon heute, was als Nächstes passieren wird: Die Reise ist noch nicht zu Ende. Nach dem NASA-Besuch in Houston geht es weiter nach South Carolina. Dort stehen der Besuch beim US-Ableger von Everllence sowie das BMW-Werk in Spartanburg auf dem Programm. Politische Gespräche mit Gouverneur Henry McMaster sowie Termine im Senat und im Repräsentantenhaus von South Carolina sind für Mittwoch geplant. Zum Abschluss will Söder eine historische Stätte besuchen, die an den 250. Jahrestag des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges erinnert.
Bayerische Unternehmen sichern in den USA rund 728.000 Arbeitsplätze. Zum Vergleich: Frankfurt am Main kommt laut aktuellen Daten auf etwa 779.000 Einwohner. Und trotzdem redet die politische Debatte hierzulande fast ausschließlich davon, wie abhängig wir von den USA sind – nicht davon, dass auch die USA in einer Abhängigkeit stehen. Dabei hat das Institut der Deutschen Wirtschaft errechnet, dass Deutschland bei 43 Warengruppen der einzige Importlieferant der USA ist. Kein Ersatz, nirgends. Echt jetzt?! Vielleicht wäre das die stärkste Botschaft, die Söder aus Houston mit nach Hause bringen könnte. (fbu)
