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FR-üh dran: Sechs Jahre nach dem Attentat in Hanau tobt der Kampf um das Gedenken

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19.02.2026

FR-üh dran: Sechs Jahre nach dem Attentat in Hanau tobt der Kampf um das Gedenken

Stand: 19.02.2026, 06:00 Uhr

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Sechs Jahre nach dem rassistischen Anschlag in Hanau steigt die Zahl der Opfer auf zehn und die AfD feiert ein Comeback. „FR-üh dran“ am Jahrestag des Attentats.

Hanau – FR-üh Radar - das steht heute an: Heute jährt sich der Terroranschlag von Hanau zum sechsten Mal. Neun Menschen wurden damals aus rassistischen Motiven ermordet. Kurz vor dem Jahrestag stieg die Zahl der Opfer auf zehn. In FR-üh dran erinnern wir an die Opfer des Anschlags und blicken auf die politischen Kämpfe, die um die Erinnerung an ihn toben.

Am 19. Februar 2020 erschoss der 43-jährige Tobias R. in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kenan Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov starben. Sechs Jahre nach dem Anschlag starb Ibrahim Akkuş an den Spätfolgen seiner Verletzung, die er an diesem Tag erlitten hatte. Anschließend tötete der Täter damals seine Mutter und sich selbst. Infolge des Anschlags wurden schwere Behördenfehler bekannt, die Angehörigen der Opfer fühlten sich von Polizei und Stadt respektlos behandelt und nicht ernst genommen.

Hier erfahren Sie, worum es geht, worauf es ankommt und woran es hängt: Der Tod Ibrahim Akkuş‘ sechs Jahre nach dem Attentat macht schmerzhaft deutlich, wie der Terror von Hanau bis heute nachwirkt. In der Stadt tobt längst der Kampf um das Gedenken. Angehörige und Initiativen setzen sich für eine aktive Erinnerungskultur ein. Ein Teil der Stadtgesellschaft aber will den Anschlag ad acta legen. Gleichzeitig feierte die AfD ihr politisches Comeback in Hanau. Zum heutigen Gedenken schweigen sich die Rechtspopulisten aus. Kurz nach dem Anschlag relativierten Vertreter wie Jörg Meuthen und Alexander Gauland die rassistischen Motive des Täters von Hanau und stritten jeden Bezug zu der Ideologie der AfD ab. Recherchen der Frankfurter Rundschau aber zeigten, dass Tobias R. kurz vor der Tat noch Videos von rechten Größen wie Björn Höcke und Lutz Bachmann schaute.

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Auf unserer Themenseite finden Sie alle Ausgaben von „FR-üh dran - die Lage am Morgen“ in der Übersicht und noch mehr gute Gründe, warum „FR-üh dran“ zu Ihrem täglichen Morgenritual werden sollte.

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Lesen Sie hier schon heute, was als nächstes passieren wird: Am heutigen 19. Februar finden an vielen Orten in Deutschland Gedenkveranstaltungen zum Attentat in Hanau statt. In der Stadt selbst wird an den beiden Tatorten an die Opfer erinnert: um 11:00 Uhr am Heumarkt und um 11:30 Uhr am Kurt-Schumacher-Platz. In Frankfurt lädt die „Initiative 19. Februar Hanau“ unter dem Titel „Say their Names“ zum Gedenken um 19:30 Uhr in die Kunsthalle Schirn. Eine weitere Gedenkveranstaltung findet am Brandenburger Tor in Berlin statt.

2013 kam die AfD bei der Bundestagswahl in Hanau auf 5,9 Prozent. 2017 erzielte sie 14,1. Nach dem Anschlag im Jahr 2020 fiel das Ergebnis der Rechtspopulisten auf 10,2 Prozent. Fünf Jahre nach dem Tod von zehn Menschen feierte die AfD in Hanau ein Wahlergebnis von 19,3 Prozent. Diese erschreckende Zahl allein macht das Gedenken an die Opfer von rassistischer Gewalt und Hetze heute so bitter nötig.


© Frankfurter Rundschau