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FR-üh dran am Equal Pay Day: Merz schaut zu, wenn Frauen 58 Tage umsonst arbeiten

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27.02.2026

FR-üh dran am Equal Pay Day: Merz schaut zu, wenn Frauen 58 Tage umsonst arbeiten

Stand: 27.02.2026, 06:00 Uhr

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Bis zum heutigen Equal Pay Day haben Frauen im Vergleich zu Männern ganze 58 Tage ohne Lohn gearbeitet. Das scheint die Merz-Regierung nicht zu stören. Die Lage am Morgen in FR-üh dran.

Frankfurt am Main – FRüh Radar – das steht heute an: Der heutige Equal Pay Day symbolisiert den Tag, bis zu dem Frauen im Vergleich zu Männern rechnerisch umsonst gearbeitet haben. Aktuell beträgt die Lohnlücke 16 Prozent, was 58 Tagen unbezahlter Arbeit entspricht. In „FR-üh dran“ blicken wir auf die Geschichte und die Gründe des Equal Pay Days und erklären, warum insbesondere die Regierung unter Friedrich Merz im Kampf für mehr Gerechtigkeit bislang versagt hat.

Equal Pay Day: Die Ausgangslage

Wir fassen zusammen, wie es dazu kam: Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland hält sich hartnäckig. 2026 beträgt sie 16 Prozent – genau wie 2025 und 2024. In den vergangenen zehn Jahren schrumpfte die sogenannte „Gender Pay Gap“ um gerade mal fünf Prozent, in den vergangenen 20 Jahren waren es magere neun Prozent. Besonders dramatisch wird es bei erwerbstätigen Müttern: Sie arbeiten laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) rund 60 Stunden pro Woche – davon 60 Prozent in unbezahlter Care-Arbeit. Erwerbstätige Väter arbeiten im Schnitt ebenfalls 60 Stunden, aber 60 Prozent davon sind bezahlte Erwerbsarbeit. Frauen mit Kindern sind zudem 1,7-mal häufiger in Teilzeit tätig als kinderlose Frauen, während Männer mit Kindern sogar seltener in Teilzeit arbeiten als kinderlose Männer.

Hier erfahren Sie, worum es geht, worauf es ankommt und woran es hängt: Das Problem, das der Equal Pay Day in den Fokus rücken soll, liegt tiefer als der schiere Lohnunterschied. Nur knapp die Hälfte aller Frauen kann laut WSI-Zahlen langfristig ihre Existenz aus eigenem Einkommen sichern. Bei Männern sind es drei Viertel. Die sogenannte „Gender Pension Gap“ liegt weiterhin bei dramatischen 43 Prozent. Während andere europäische Länder konkrete Maßnahmen gegen die Lohnlücke ergreifen, passiert in Deutschland praktisch nichts. Sogar die Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, warf der Merz-Regierung kurz vor dem Equal Pay Day Untätigkeit vor. „Wir können auf jeden Fall festhalten, dass die Regierung beim Thema Frauenrechte noch nicht geliefert hat“, so Ataman gegenüber der Rheinischen Post.

Espresso-Argumente für die Kaffeeküche

Mit diesen Argumenten punkten Sie bei der politischen Debatte in der Kaffeeküche: „Frauen verdienen weniger, weil sie schlecht bezahltere Jobs wählen“ – Typische „Frauenberufe“ in Pflege und Erziehung werden tatsächlich schlechter bezahlt, obwohl die Gesellschaft auf sie weniger verzichten könnte als auf manche von Männern dominierte Branche. Das hat System und ist ein strukturelles Problem, das den „Equal Pay Day“ noch wichtiger macht. Davon abgesehen beträgt auch die bereinigte Lohnlücke, die Berufe, Branchen, Bildungsstand, etc. berücksichtigt, noch immer signifikante sechs Prozent Unterschied.

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„Die Politik soll sich raushalten, der Markt regelt das schon“ – Der freie Markt versagt hier seit Jahrzehnten. Trotz gleicher Qualifikation besteht die Lohnlücke weiter und schrumpft nur minimal. Ohne politische Intervention ändert sich nichts. Das haben andere Länder längst begriffen. In Deutschland steht Friedrich Merz aber weiter auf dem Schlauch und zeigt bislang keine Anzeichen, sich dem Problem annehmen zu wollen.

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Lesen Sie hier schon heute, was als Nächstes passieren wird: Der Equal Pay Day wird auch 2027 wieder stattfinden müssen – vermutlich wieder Ende Februar. Die Merz-Regierung schweigt sich aus, der Druck von Gewerkschaften und Frauenverbänden aber bleibt bestehen. Hoffnung auf mehr Gerechtigkeit kommt aus Brüssel: Die Europäische Union (EU) plant verschärfte Lohntransparenz-Richtlinien, die Deutschland dann umsetzen müsste.

58 Tage – so lange arbeiten Frauen in Deutschland rechnerisch umsonst, bevor sie das erreichen, was Männer bereits am 1. Januar verdient haben. Das entspricht fast zwei kompletten Arbeitsmonaten. Doch dagegen ließe sich vonseiten der Merz-Regierung etwas tun. Island beispielsweise gilt unter den westlichen Nationen als die Vorreiterin bei der Lohngerechtigkeit. Auch dort gibt es noch eine „Gender Pay Gap“, die erstreckt sich aber nur über wenige Tage. Grund ist ein Gesetz, das 2018 erlassen worden war, und das Unternehmen verpflichtet, gleiche Bezahlung nachzuweisen. Das Ergebnis: Die Lohnlücke schrumpfte dramatisch.


© Frankfurter Rundschau