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„Werde schon mal handgreiflich“: Schon 18-Jährige haben gefährliche Gedanken

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01.04.2026

„Werde schon mal handgreiflich“: Schon 18-Jährige haben gefährliche Gedanken

Stand: 01.04.2026, 16:47 Uhr

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Männlichkeit in Deutschland muss sich ändern, findet unsere Autorin. Denn: Eine Studie zeigt erschreckende Einstellungen junger Männer zur Gewalt gegen Frauen.

Die Wut geht um. Eine heiße, eine kalte, eine ätzende Wut. Überall, wo Frauen zusammenkommen, ist es das Thema: digitale Gewalt und der Fall Collien Fernandes. Ob unter Freundinnen, auf der Arbeit, im Netz oder auf Demos – Frauen rufen: „Es reicht!“ Wir lassen uns nicht länger zu Opfern machen. „Wir sind laut, wir sind viele, es ist Zeit, sich zu verbünden.“ Zeit, sich zu verbünden, damit endlich der Kern der Verbrechen und Übergriffe freigelegt wird.

Deutschland diskutiert wieder über Gesetze. Über Strafrahmen, über Schutzlücken, über Maßnahmen. Na klar, das ist wichtig. Es wäre fahrlässig, es nicht zu tun. Aber es ist auch bequem. Denn was dieses Land offensichtlich vermeiden will, ist, eine notwendige und existenzielle, aber auch schmerzhafte Debatte zu führen. Über das Männerbild, das in diesem Land herrscht, das der Gewalt vorausgeht. Ein Männerbild, das den Weg zur Gewalt ebnet: zum direkten Zuschlagen und Töten im häuslichen Umfeld und zum verdeckten Zuschlagen im Netz.

Denn das Entscheidende wird fortwährend ausgespart: Gesetze greifen, wenn etwas bereits passiert ist. Sie sind die Antwort auf das Scheitern davor. Dabei müssten wir doch eigentlich fragen: Warum passiert es überhaupt?

Ein Drittel aller jungen Männer: „Gegenüber Frauen werde ich schon mal handgreiflich"

Wie kann es sein, dass Männer – und auch schon Jungs – sich massenhaft darin üben, Frauen und Mädchen digital zu vergewaltigen? Und dann offen zugeben, es gehe ihnen dabei um „Spaß“, um „Unterhaltung“? Wie krank ist die Konstruktion einer Männlichkeit, die auf Quällust von Weiblichkeit basiert?

Gesetze können abschrecken, sanktionieren, schützen. Aber sie können kein Weltbild korrigieren, das noch immer an patriarchalen Gewaltmustern hängt. Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, eine von Erziehung und Bildung. Aber auch eine politische. Deshalb wird es besonders hässlich, wenn die Politik versucht, das Problem zu verschieben. So wie Kanzler Friedrich Merz: „Dann müssen wir auch ansprechen, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer kommt.“ Alles Migranten, oder was?

„Gegenüber Frauen werde ich schon mal handgreiflich, um ihnen Respekt einzuflößen.“ – „Ich finde es okay, wenn mir im Streit mit meiner Partnerin gelegentlich die Hand ausrutscht.“ Ein Drittel der Männer in Deutschland zwischen 18 und 35 Jahren stimmen diesen Aussagen zu. Ein Drittel! So die Studie „Spannungsfeld Männlichkeit“ der NGO Plan International.

Studien zu Gewalt von Männern zeigen Problem aus verschiedenen Blickwinkeln

Die Gewalt kommt aus der Mitte der Gesellschaft. Junge Männer relativieren Gewalt, normalisieren Dominanz und akzeptieren Gleichberechtigung nur oberflächlich. Das ist keine statistische Randnotiz. Das ist ein gesellschaftlicher Befund. Will hier jemand behaupten, dass nur Jungmänner so geprägt sind? Dennoch ist die übliche Reaktion: bloß nicht pauschalisieren, bloß nicht das Wort „Männerbild“ in den Mund nehmen und Aufruhr erzeugen.

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Stattdessen wird gern auf eine andere Studie verwiesen. Die „Männer-Perspektiven“ des Bundesfamilienministeriums zeichnen ein freundlicheres Bild: Da sind Männer erstaunlich offen für neue Rollen und wollen Gleichberechtigung unterstützen. Wie schön.

Beide Studien widersprechen sich nicht. Sie zeigen das gleiche Problem – nur aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die eine legt die Brüche offen. Die andere beschreibt die Oberfläche. In diesem Widerspruch liegt die Ursache: Diese Gesellschaft versteht sich als modern und toleriert Strukturen und Denkmuster, die patriarchal sind. Diese kollektive Verdrängung macht wütend.


© Frankfurter Rundschau