Mehr Zweck als Bündnis
Mehr Zweck als Bündnis
Stand: 15.02.2026, 17:14 Uhr
Von: Andreas Schwarzkopf
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Die transatlantischen Beziehungen sind nur noch Mittel zum Zweck. Gemeinsame Werte und Ziele gibt es kaum noch.
Die transatlantischen Beziehungen werden bestenfalls weniger krawallig. Denn US-Außenminister Marco Rubio hat den von Kanzler Friedrich Merz angebotenen Neustart der transatlantischen Beziehungen bei der Münchner Sicherheitskonferenz wie erwartet ausgeschlagen. Der Chefdiplomat war zwar im Ton verbindlich und betonte die Gemeinsamkeiten. Er schurigelte auch die europäischen Verbündeten nicht wie 2025 noch Trumps Vize JD Vance. Doch in der Sache blieb Rubio hart. Washington will zwar ein starkes Europa, aber eines, was endlich umsetzt, was die Trump-Administration will.
In München wurde auch wieder deutlich, dass die transatlantischen Beziehungen immer mehr zu einem Zweckbündnis werden. Gemeinsame Werte und Ziele gibt es kaum noch. Zu groß ist die Distanz bei Zöllen, Klimawandel, Kulturkriegen und vielem mehr. Das Miteinander wird also beschwerlich bleiben. Getrennt geht aber auch nicht. Beide Seiten sind ökonomisch und bei vielen anderen Themen aufeinander angewiesen.
Und so bleibt Deutschland und den anderen Staaten der Europäischen Union nichts anders übrig, als bei jedem strittigen Thema selbstbewusst ihre Interessen zu vertreten. Gleichzeitig werden sie sich weiter modernisieren müssen bei Handel, Finanzen, kritischer Infrastruktur und vielem mehr. Nicht nur, um unabhängiger von den USA zu werden, sondern auch, um sich in der zunehmenden weltpolitischen Großmachtpolitik behaupten zu können.
Mehr Eigenständigkeit ist auch ein probates Mittel gegen die Unsicherheit, die trotz Rubios grundsätzlichem Bekenntnis zum Bündnis bleibt. Denn durch Donald Trumps zum Programm erhobene Unberechenbarkeit weiß man erst, was er tut, wenn er es tut. Lässt der US-Präsident den Iran bombardieren? Kappt er die Ukraine-Hilfe? Erhebt er Zölle? Europa kann also weiter das Beste hoffen, muss sich aber gleichzeitig aufs Schlimmste vorbereiten.
Das muss nicht immer im Desaster enden. Bei Grönland konnte sich Europa genauso behaupten wie im Wesentlichen beim Zwist über Strafzölle. Nach dem vereinbarten Fünf-Prozent-Ziel der Nato könnte Europa ähnlich wie beim geplanten Verteidigungsprojekt für die Arktis weiter mehr Verantwortung übernehmen. Ob die Europäer auch einen auf Frankreich gestützten atomaren Schutzschirm benötigen, hängt davon ab, ob die USA das überhaupt wollen. Unvorbereitet sollte der Alte Kontinent aber nicht sein.
Doch wenn Europa stark sein will, militärisch, wirtschaftlich und technologisch, dann müssen die EU-Staaten noch stärker zusammenarbeiten als bisher. Dann sollten Projekte wie das Kampfsystem FCAS nicht scheitern. Dafür müssen nicht nur Deutschland und Frankreich ihre unterschiedlichen Lösungsansätze für die Herausforderungen zusammen mit den anderen EU-Staaten zu einer gemeinsamen Strategie entwickeln.
Und Kanzler Merz muss beweisen, dass er seine vollmundigen Ankündigungen auch realisiert. Noch ist die Bundeswehr weit davon entfernt, die stärkste konventionelle Armee Europas zu werden. Innenpolitisch wird er noch viele von diesem Projekt überzeugen müssen. Zudem muss er den EU-Partnern mögliche Sorgen vor deutschen Alleingängen nehmen. Dafür sind nicht nur bemerkenswerte Reden nötig, sondern auch die beschwerliche Suche nach Kompromissen. Vor allem da ist bei ihm noch viel Luft nach oben. Ändert er sich nicht, werden nicht nur noch mehr politisch Verantwortliche in Europa ihn für seine Lautsprecherdiplomatie kritisieren. Vielmehr werden die nötigen Reformen der EU nicht vorankommen.
