Von Putins Gnaden
Juri Possochow, Hauschoreograph des San Francisco Ballet, arbeitet trotz des russischen Angriffskriegs weiterhin gern in Moskau oder Sankt Petersburg. Jetzt hat ihn Intendant Christian Spuck ans Staatsballett Berlin eingeladen. Warum?
Als das Ballett „Nurejew“ 2017 seine Uraufführung mit dem Moskauer Bolschoi Ballett erlebte, stellte es sich dabei als in jeder Hinsicht großartiges Werk heraus: „Wer hätte das gedacht, dass ein Abend über einen unvergessenen Star ein unvergessliches Ballett sein würde, ein vergangenheitsbezogener Stoff das Genre in die Zukunft führen könnte“ (F.A.Z. vom 11. 12. 2017). In der Premiere war eine ganze Phalanx von Ministern und Funktionären anwesend. Auch der Choreograph Juri Possochow und der Komponist Ilja Demutsky befanden sich im Theater. Nur der Regisseur des Tanzdramas um einen der berühmtesten Tänzer aller Zeiten, der spektakulär aus der Sowjetunion floh, den Westen für das Ballett einnahm wie kaum jemand sonst und dann als Ballettdirektor der Pariser Oper furchtbarerweise an Aids starb, befand sich weder im Publikum noch backstage. Kirill Serebrennikow, der auch das Libretto zu „Nurejew“ geschrieben und das Bühnenbild der Produktion entworfen hatte, war damals seit Wochen zu Hausarrest verurteilt, ein politischer Gefangener Putins.
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