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Das Risiko reist mit

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14.03.2026

Tourismus und Krisen : Das Risiko reist mit

Eine Vorschrift, wann ein Urlauber aus Deutschland wohin darf, macht ihm in der Heimat niemand. Das ist gut so. Solche Freiheit bedeutet aber auch Verantwortung. Und die darf kein mündiger Bürger komplett daheim lassen.

Zehntausende sind aus Ferien heimgekehrt, die sie wohl nie vergessen werden. Die Urlauber sind Augenzeugen kriegerischer Auseinandersetzungen geworden und mussten um ihre Sicherheit fürchten in der schillernden Tourismusmetropole Dubai, die mit Wolkenkratzern, Edelhotels, Rieseneinkaufszentren und täglichen Flügen in alle Regionen der Welt eine Reisewelt der unbegrenzten Möglichkeiten verspricht.

Als Josef Neckermann einst Reisen für Massen erschwinglich machte, waren Mallorca und Teneriffa für den Normalbürger exotische Ziele. Inzwischen sind das sehr gewöhnliche Destinationen. Den Reisenden trennen heute für jeden Flug und fast jede Unterkunft nur ein Mausklick oder einmal Tippen in der Smartphone-App von der Buchung – gleichgültig, ob es ihn an den Polarkreis, in die Wüste, auf ein Atoll oder in ein Emirat zieht.

Reisen scheint einfacher denn je. Die technischen Möglichkeiten, die längst zum Alltag gehören, haben das Bewusstsein für die Risiken geschwächt, die aber nicht verschwunden sind, sondern gewachsen. Die Lektion der neuen Nahost-Krise lautet: Das Risiko reist immer mit.

Rechnungen für Rückholflüge sind richtig

Viele Betroffene werden es nicht gern hören, doch die Verantwortung für das Abwägen von Risiken für den eigenen Urlaub liegt auch beim Urlauber – und sollte vor der Reise erfolgen. Eine Vorschrift, wann ein Urlauber aus Deutschland wohin darf, macht ihm in der Heimat zum Glück niemand. Zu DDR-Zeiten war das anders, doch heute haben alle die Wahl. Das eröffnet viele Freiheiten, entbindet aber nicht davon, sich über mögliche Folgen zu informieren.

Ein Gratis-Rettungsflieger – egal ob vom Staat oder vom privaten Reiseanbieter geschickt – steht auch nicht binnen Stunden parat, wenn es knallt. Solch ein Anspruchsdenken ist nicht nachzuvollziehen. Ungünstig war aber, dass die Bundesregierung zunächst den Eindruck erweckte, ihren am Golfe festsitzenden Staatsbürgern wenig helfen zu wollen. Zur Entlastung lässt sich sagen, dass sie dann doch eine ganze Menge tat. Hilfe ist unerlässlich, gratis sollte sie für Urlauber aber in der Regel nicht sein. Rechnungen für die Sonderflüge sind richtig, Folgekosten individueller Reiseentscheidungen dürfen nicht zulasten des Steuerzahlers gehen.

Die Verantwortung, abzuwägen, ob jedes Reiseangebot gut für das eigene Geschäft und das eigene Ansehen ist, tragen indes die Reiseanbieter. Schockierte Kunden sind schlechte Werbung, teure Umbuchungs- und Rückholaktionen können die Bilanz verhageln. Schlimmstenfalls sind hohe Werte – zumindest vorübergehend – unbrauchbar. Das gilt aktuell für Kreuzfahrtschiffe, die im Golf festhängen und nun nicht woanders schippern können. Warum ließ man die Schiffe in der Region, obwohl Angriffe absehbar waren?

Bewertung von Geschäftsrisiken lässt sich nicht dem Staat zuschieben

Fehlende amtliche Warnungen taugen nicht als Ausrede. Zwar waren die deutschen Hinweise suboptimal. Selbst kurz vor der Eskalation gab es keine Reisewarnung, nicht mal die zweithöchste Stufe, bei der von Reisen „dringend abgeraten“ wird, hielt das Außenministerium für nötig. Die Unternehmen entbindet das nicht von der eigenen Verantwortung. Eine schöne Vielfalt der Ziele im Katalog kann in der Bilanz toxisch wirken, wenn Notfallinterventionen viel kosten. Die Bewertung von Geschäftsrisiken lässt sich nicht dem Staat übertragen, er kann nur Hilfestellung geben.

Urlauber entscheiden, was sie unter den enormen Möglichkeiten des Reisemarkts auswählen. Dabei gilt: Wer eine Pauschalreise kauft, bucht Rückholungen im Notfall mit, was in den Emiraten gerade auch gut funktionierte. Die Pauschalreise, zu Unrecht als schlichtes Produkt für Massen geschmäht, erwies sich als Option mit dem höchsten Schutz. Die Kosten des Krisenmanagements sind durch einen Risikoaufschlag im Preis enthalten.

TUI-Krisenstab„Aus den Emiraten haben wir fast alle Urlauber zurückgeholt“

Elf Tage festgesessen„Von diesem ‚Urlaub‘ müssen wir uns erst einmal erholen“

In Dubai gestrandet„Es ist eine Frechheit, was unser Außenminister da sagt“

Wer auf der Suche nach Schnäppchen lieber Flug und Hotel einzeln bucht, muss sich auch im Notfall um vieles selbst kümmern. Fliegt er mit einer außereuropäischen Fluggesellschaft, muss er sogar hinnehmen, dass auf der Heimreise bei Starts jenseits der EU nicht mal die EU-Fluggastrechte und dort verankerte Beistandspflichten greifen. In den Emiraten hatten Urlauber Glück im Unglück. Die staatlichen Golf-Carrier haben einen Ruf zu verteidigen. Deshalb wurde viel (auch militärischer) Aufwand getrieben, um Gäste auszufliegen. In anderen Weltregionen wäre es wohl anders gewesen.

Dass Menschen nicht die Neugier auf andere Länder und Kulturen verlieren, ist wichtiger denn je. Alarmismus und das Verweigern von Auslandsreisen wären die falschen Schlüsse. Berlin liegt übrigens näher an Kiew als Dubai an Teheran. Die Verantwortung für den eigenen Urlaub darf aber kein mündiger Bürger daheim lassen.

Timo KotowskiRedakteur in der Wirtschaft.

Redakteur in der Wirtschaft.

Flugausfälle, festsitzende Urlauber, Feuer an Hotels und Reisewarnungen: Im Nahen Osten zwingen iranische Gegenschläge Urlaubsanbieter und Airlines in den Krisenmodus. An den Flughäfen in Doha und Dubai geht nichts mehr.

Erste Urlauber aus Dubai sind wieder zuhause. Die meisten brachte die Fluggesellschaft Emirates. In Deutschland sorgen Sonderflüge für Diskussionen – es geht um fehlende Genehmigungen und auf dem Weg in den Oman feststeckende Busse.

Bange Tage für Urlauber, Reiseunternehmen und Airlines: Doch nun stehen die ersten Sonderflüge aus der Golfregion bevor. Für die Reisebranche bleibt die Frage, ob auf ein starkes Frühbuchergeschäft ein Dämpfer für den Sommer folgt.


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