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Die Gefahr der Großgemeinden

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22.04.2026

Evangelische Gemeinden : Die Gefahr der Großgemeinden

Seit der Christianisierung bilden die Ortsgemeinden das Rückgrat der Kirche. Aus Geldnot wird nun die Axt daran gelegt. Wer aber die intakten und die morschen Teile vermengt, riskiert das Ganze.

In der evangelischen Kirche hat man es versäumt, sich auf die längerfristigen Folgen von Austritten und Alterung einzustellen. Nun drängen mehr und mehr Kirchenleitungen und Synoden jedoch auf einen grundlegenden Umbau, um in zehn oder zwanzig Jahren überhaupt noch handlungsfähig zu sein. Diese Entschlossenheit verdient Anerkennung.

Die entscheidende Frage lautet allerdings, ob die eingeschlagene Richtung stimmt. Die geplanten Reformen unterscheiden sich zwar von Landeskirche zu Landeskirche, laufen aber meist in eine ähnliche Richtung: Das Ziel ist eine zunehmende Verschmelzung der Ortsgemeinden und der nächsthöheren Hierarchieebene zu einer „regio-lokalen“ Kirche. Die Kirchengemeinden drohen dadurch ihren Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts zu verlieren sowie ihre ohnehin bereits beschränkte Hoheit über Gebäude, Vermögen und Personal.

Die Tragweite dieser Entscheidung lässt sich kaum überschätzen und sollte daher so gründlich überlegt sein wie keine andere Reform zuvor. Denn die Ortsgemeinden bilden seit der Christianisierung Europas das Rückgrat der Kirchen. Sie sind nach reformatorischer Lehre auch nicht bloß Filialen oder Franchisenehmer der Kirchenverwaltung, sondern dieser im Gegenteil logisch........

© Frankfurter Allgemeine