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Eine Bußpredigt für den Kardinal

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16.02.2026

Kölner Karnevalsoper : Eine Bußpredigt für den Kardinal

In Köln ist der soziale Nexus von Kirche und Karneval zerbrochen, weil die Stadtgesellschaft den Erzbischof ablehnt. Von der Opernbühne aus wird Kardinal Woelki zur Buße gerufen, im Mundart-Musical des Männergesangvereins.

Sollte die Hoffnung berechtigt sein, die der Schweizer Theologe Hans Urs von Balthasar 1984 in Rom bei der Entgegennahme eines vatikanischen, nach Papst Paul VI. benannten Preises in die Form des Satzes brachte, dass die Hölle leer sein könnte, hätte sich dann aller Rosenmontagsrummel erledigt? Hat der jährlich wiederkehrende Spaß am rituellen Exzess die dogmatische Gewissheit zur Voraussetzung, dass niemand sich seines dauerhaften Aufenthaltsortes im ewigen Leben sicher sein kann?

In Köln sieht man solche Fragen gewöhnlich pragmatischer. Ein für Willy Millowitsch geschriebener Schlager legte schon 1964, also während des Zweiten Vatikanischen Konzils, das Katholische an der Kirche als Zusage allgemeiner Sündenvergebung aus: „’s war immer so, ’s war immer so. / Der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih’n, / ’s war immer, immer so.“ Der Titel des Liedes, „Wir sind alle kleine Sünderlein“, diente 1972 als Motto des Kölner Rosenmontagszugs. In diesem Sinne verkünden in der laufenden Session auf der Bühne der Kölner Oper im traditionellen Karnevalsstück des Kölner Männergesangvereins drei Engel: „Et kumme alle, alle, all doch en........

© Frankfurter Allgemeine