Die Weltstadt als Experimentierbühne
Kommunalwahl in Frankfurt : Die Weltstadt als Experimentierbühne
200 Seiten füllten die Versprechungen, mit denen eine Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt vor fünf Jahren in Frankfurt angetreten war. Umso enttäuschender, wie wenig sie verwirklicht hat.
Der 22. April wird ein Festtag für Frankfurt sein. Die kleine Metropole am Main: globalisierte Stadt, Verkehrsdrehscheibe, der Ort, an dem Ideen Wirklichkeit werden. Denn an jenem Mittwoch kurz nach den hessischen Osterferien wird am Flughafen das Terminal 3 eröffnet. 19 Millionen Reisende im Jahr können dort künftig abreisen und ankommen. Das entspricht nahezu den Fluggastzahlen Düsseldorfs. In Frankfurt steht die Zahl gerade einmal für ein Drittel des Aufkommens.
Alles hat dort geklappt. Ein vorausschauendes Management hat trotz der Corona-Pandemie mit ihren schweren Rückgängen im Luftverkehr an dem Vorhaben festgehalten. Ein örtlicher Architekt, Christoph Mäckler, hat einen überzeugenden Entwurf vorgelegt. Der Kosten- und der Zeitplan wurden eingehalten, wo gibt es das sonst noch? Mit dem Terminal 3 positioniert sich der Frankfurter Flughafen, an dem das Wohl und Wehe eines ganzen Ballungsraums hängen, besser denn je. Und endlich einmal wieder zeigt sich Frankfurt als Weltstadt.
Wie groß wäre die Freude, hätte auch der Römer in den vergangenen Jahren so zügig geliefert. Die Paulskirche könnte saniert sein, der Neubau der Europäischen Schule eröffnet, für das künftige Schauspielhaus der Grundstein gelegt. Für die Multifunktionsarena könnte zumindest das Baufeld freigeräumt sein, auf einem funktionierenden Kulturcampus in Bockenheim könnten längst junge Leute an Klavier und Violine ausgebildet werden.
Das Regieren war der Stadt nicht angemessen
Doch nichts von alledem. Abermals gehen mit der Kommunalwahl am 15. März fünf Jahre zu Ende, in denen in Frankfurt nicht so regiert wurde, wie es eine Stadt dieser Größenordnung verlangt. Das Vierparteienbündnis aus Grünen, SPD, FDP und Volt ist 2021 mit großem Auftritt gestartet, mehr als 200 Seiten umfasste der Koalitionsvertrag, die Zahl der Spiegelstriche mit all den Versprechungen hat niemand gezählt. Eingelöst wurde von dem Bündnis, seit Sommer 2025 dezimiert um die FDP, nur wenig, und wenn, dann überhaupt erst im letzten Moment. Die Koalition ist weit hinter ihren eigenen Ansprüchen zurückgeblieben und, schlimmer, hinter den Erfordernissen an eine Kommunalverwaltung in einer sich rasch verändernden Welt.
Dass das Bündnis aus CDU, SPD und Grünen, wie es in der Wahlperiode zuvor bis 2021 bestand, auch nicht zureichend performte, ist keine Entschuldigung. Eher ein Hinweis, dass Grundsätzliches im Argen liegt. Es ist ja nicht so, dass die Politiker unwillig wären, die meisten sind mit Elan dabei,........
