Symbolpolitik mit Setzlingen
Baumpflanzungen im Taunus : Symbolpolitik mit Setzlingen
Kommunalpolitiker pflanzen im Taunus gemeinsam Bäume. Sie betonen die Eintracht, streiten aber über eine Seilbahn in der Nähe. Gut so.
Einen Baum zu pflanzen ist ein Symbol. Viele Bäume zu pflanzen ist oft Symbolpolitik. Wer wüsste das besser als die Einwohner der Orte rund um den Großen Feldberg im Taunus? Schließlich liegt Gerda Jo Werner dort begraben, auf dem Friedhof in Oberursel. Die 50-Pfennig-Frau, wie sie genannt wird, setzt auf ebenjener Münze eine junge Eiche. Das Motiv, das die Bank deutscher Länder nach dem Krieg wählte, war ein Zeichen für Wachstum und Wiederaufbau.
Vor einem Jahr setzten Politiker aus Stadt und Land mit Freiwilligen im Oberurseler Wald 1000 Eichen, Buchen, Speierlinge und Elsbeeren. Sie sollten an die postum zu Ruhm gekommene 50-Pfennig-Frau erinnern sowie an die Pflanzfrauen, die nach dem Krieg aufforsteten. Und wie alle Pflanzaktionen im von Sturm, Dürre und Borkenkäfer gebeutelten Taunus weithin sichtbar dem Waldumbau dienen.
Seit ein paar Tagen gilt es in einem anderen Waldstück bei Oberursel zu hoffen, dass Setzlinge anwachsen. Diesmal sind es 850 junge Douglasien und Lärchen nahe der Hohemark. Es ist schon die zweite vom Kreistag des Hochtaunuskreises beschlossene Aktion, weitere sollen folgen, für jede stehen 10.000 Euro bereit. Eine gute Sache. Und wie viele gute Dinge lässt sie sich weiter aufwerten. Das ist legitim; es darf ja auch jeder, der will, am Tag der Geburt seines Kindes einen Baum pflanzen und rufen: Es lebe die Zukunft!
Ähnlich äußert die Oberurseler Bürgermeisterin Antje Runge (SPD): „Heute pflanzen wir hier noch kleine Setzlinge – aber in Wahrheit pflanzen wir Zukunft.“ Ulrich Krebs (CDU), der Landrat des Hochtaunuskreises, will späteren Generationen zeigen: „Wir haben nicht nur über den Naturschutz geredet und über den Klimawandel lamentiert. Wir haben etwas getan.“ Ein Foto zeigt die beiden, deren Parteien im Kreistag mit der FWG-Hochtaunus eine Koalition bilden, rund eine Woche vor der Kommunalwahl einträchtig mit Pflanzgerät vor einem Nadelbäumchen.
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Auch die Fraktion der Grünen, die stärkste Oppositionskraft, sieht in der guten Tat für den Wald in Zeiten des Klimawandels noch viel mehr Gutes: „Der gesamte Kreistag pflanzt gemeinsam Bäume – überparteilich, geschlossen und mitten im Wahlkampf.“
Gespalten ist der Kreistag aber in einer anderen Frage, die denselben Ort betrifft. Die Koalition trägt sich mit dem Gedanken, eine Seilbahn auf den Feldberg zu bauen. Für die Grünen dagegen wäre es ein „unlösbarer Widerspruch“, jetzt Bäume zu pflanzen und bald Wald für eine Seilbahntrasse zu roden. Worauf sie in derselben Mitteilung hinweisen – es ist eben doch Wahlkampf. Auch hier taugt die Pflanzung zum Symbol: Demokratie gedeiht in Meinungsvielfalt, nicht in Monokultur.
Florentine FritzenKorrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.
Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.
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