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„Diese Menschen beschädigen mich nicht“

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20.04.2026

„Diese Menschen beschädigen mich nicht“: Renneberg über Hass nach offenem Missbrauchsbericht

„Diese Menschen beschädigen mich nicht“

Annett Renneberg hat in einem Interview über eigene Missbrauchs-Erfahrungen gesprochen. Hier beschreibt die Schauspielerin, wie sie mit den heftigen und bösartigen Reaktionen umgeht, die sie daraufhin erlebte.

Ich arbeite als Schauspielerin und als solche habe ich im Zuge meines Ausstiegs aus einer beliebten Serie diverse Interviews gegeben. Eines dieser Interviews berührte - ungeplant - ein Thema, das ich viele Jahre in mir zurückgedrängt hatte.

Nun fühlte es sich stimmig an, darüber zu sprechen: über meine Erlebnisse rund um den Dreh meines ersten Filmes. Ich war 13 Jahre alt und vieles von dem, was damals passierte, war, aus heutiger Sicht und mit heutigem Wissen, missbräuchlich und falsch.

„Standpunkt“ - der Gastkommentar

Unsere Gesellschaft lebt davon, dass die beste Idee gewinnt. Dafür braucht es Debatten und Argumente - auch wenn sie kontrovers sind. Argumente, die aus praktischen Erfahrungen gespeist sind. Im Gastbeitrag „Standpunkt“ lassen wir deshalb regelmäßig Menschen zu Wort kommen, die wichtige Debatten und Ideen aus ihrer Praxis beurteilen können. Und bieten ihnen einen festen Ort, um zu hinterfragen., ob eine Idee nur groß ist oder wirklich Potenzial hat - und welche Argumente der Realität standhalten.

Was nach Veröffentlichung dieses Gesprächs in der „Bunten" auf diversen Plattformen an Kommentaren einging, hat mich in der Heftigkeit und Negativität überrascht. Ich habe über meine Erfahrungen gesprochen und war plötzlich eine Männerhasserin, Lügnerin, Trittbrettfahrerin, dazu hässlich und aufmerksamkeitsgeil, zu spät dran, der Missbrauch nicht schwer genug usw....

Natürlich weiß ich, dass das Internet auch voller Hass, Bösartigkeit und Dummheit ist, aber es scheint dieses konkrete Thema zu sein, welches gewisse Gemüter extrem erhitzt und deren häufig reflexhafte Abwertungsversuche und Abwehr provoziert.

Ich habe mir einige der Accounts dieser (mehrheitlich) Männer und Frauen angeschaut und war überrascht, auch unter deren eigenen Posts häufig extreme Beleidigungen und einen unterirdisch-niveaulosen Ton zu finden. Die Mehrheit ist von eher schlichtem Geist, und die erwähnte Art der Bewertungen scheint ihr Bedürfnis nach Kontrolle und Macht zu befriedigen.

Ich selbst habe eine Wahl: je mehr Energie ich in eine Sache stecke, desto wichtiger mache ich sie.

Ich selbst habe eine Wahl: je mehr Energie ich in eine Sache stecke, desto wichtiger mache ich sie.

Ich wage die These, dass es in ihrem Leben keine Schönheit gibt. Keine Begegnung, kein Musikstück, kein Gedicht, das in der Lage wäre, sie wirklich und tief zu berühren. Ihnen fehlt die Erfahrung der Erfüllung, der Liebe vermutlich auch und es mangelt ihnen mit Sicherheit an Empathie. Es scheint in ihnen eine große Leere zu herrschen.

Dummheit, Rohheit und Missgunst hat es immer gegeben und wird es immer geben. Aber ich selbst habe eine Wahl: je mehr Energie ich in eine Sache stecke, desto wichtiger mache ich sie. Diese Menschen beschädigen mich nicht. Ich empfinde sogar Mitleid mit ihnen.

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Dass die „Bunte" die Kommentarfunktion abgestellt hat, finde ich trotzdem richtig. Ich selbst habe die bösen Kommentare auf meinem Instagram-Account auch sofort gelöscht, denn es ist wie in einem Wald: liegt dort an einer Stelle erst einmal Müll, sinkt die Hemmschwelle und es kommt immer mehr Müll hinzu. Sollen sie sich gegenseitig bewerfen, beschimpfen, beleidigen und niedermachen. Vielleicht ist das alles, was sie haben.

Ich plädiere dafür, diese Menschen und ihre Äußerungen nicht so wichtig zu nehmen. Es muss weiter über jegliche Form von Missbrauch gesprochen und geschrieben werden. Aber wir sollten dem Hass einer Gruppe nicht zu viel Raum geben!


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