AfD-Parteitag am NSDAP-Jubiläum: Wähler, hört die Signale!
AfD-Parteitag am NSDAP-Jubiläum: Wähler, hört die Signale! Ein Kommentar
AfD-Parteitag am NSDAP-Jubiläum: Wähler, hört die Signale!
Versehen, Unkenntnis, Zufall: So kontert die AfD seit Jahren jede Kritik an ihren Nazi-Parallelen. Doch wer seinen Parteitag exakt am 100. Jahrestag des historischen Reichsparteitags in Thüringen abhält, stellt sich selbst in eine Linie mit der NSDAP.
Tut man der AfD unrecht, wenn man sie in die Nähe der Nazis rückt? Oder tut man ihr damit einen Gefallen? Die Antwort ist nicht so einfach, klar ist nur: Wer schon die Frage abtut, geht mit der AfD zu naiv oder zu freundlich um. Beides ist gefährlich.
Die Debatte, ob man die AfD in eine Linie mit Hitlers NSDAP stellen darf, wie es etwa der Grünen-Chef gerade getan hat, läuft seit Jahren. Jüngster Anlass - und für ihre Kritiker der Beleg dafür, dass es die AfD selbst ist, die sich in diese Linie stellt, ist ihr Bundesparteitag in Erfurt: Den plant die AfD nicht nur in Thüringen, wo einst der Siegeszug der Nazis begann, sondern auch exakt am 100. Jahrestag von deren Reichsparteitag vom 3. Juli 1926 - ein Meilenstein in deren Aufstieg. Dass das Zufall ist, wie die AfD sagt, ist kaum zu glauben.
Genau 100 Jahre nach dem NSDAP-Reichsparteitag: Scharfe Kritik an Datum für AfD-Parteitag
Die AfD will sich im Juli zum Bundesparteitag in Erfurt treffen. Auf den Tag 100 Jahre zuvor traf sich in Weimar die NSDAP. Politiker und ein Historiker reagieren entsetzt.
Zum erprobten Handwerkszeug von Populisten, Extremisten und Rassisten gehört die Technik der „Hundepfeife“: Politisch tabuisierte Themen werden nur codiert angesprochen - um mit eindeutig zweideutigen Andeutungen Signale an überzeugte Anhänger zu senden. Andere Wähler erkennen das oft nicht - so wie der Mensch die Hundepfeife nicht hört - und halten Kritik für übertrieben.
Tabus werden gezielt ausgehöhlt
In den USA sind Hundepfeifen-Codes etwa Klagen über Innenstädte und Sozialschmarotzer, über Globalisten und Ostküsteneliten - weil man dagegen lange besser polemisieren konnte als gegen Schwarze oder Juden. Bis die Tabus so ausgehöhlt waren, dass nun sogar der Präsident rassistische Videos verbreitet.
In Deutschland hat die AfD diese Technik zur Blüte gebracht - immer professioneller und unverfrorener: Sorgte es anfangs für Ärger, dass ihr Parteichef von Migranten als „sozialem Bodensatz“ sprach, sind inzwischen ganzen Landesverbänden verfassungsfeindliche Tendenzen nachgewiesen - die Umfragen führt die AfD dennoch in allen fünf Ostländern klar an. Distanzierte sich die AfD-Spitze zunächst vom Begriff „Remigration“, weil er als grundgesetzwidrig galt, steht er nun im Wahlprogramm.
Thüringens AfD-Chef Höcke, studierter Geschichtslehrer, machte vor Gericht geltend, Nazi-Slogans ohne Kenntnis von deren Herkunft zu verwenden. Ausgerechnet sein Landesverband ist nun zum 100. NSDAP-Parteitagsjubiläum Gastgeber des AfD-Bundestreffens. Dabei werden 2026 zwar in acht Ländern Kreis- und Landtage gewählt, nicht aber in Thüringen.
KostenpflichtigSteinmeier in Thüringen: Besuch beim Sorgenkind
Nach der Thüringen-Wahl ziehen Kritiker Hitler- und NSDAP-Vergleiche
Höcke muss vor Gericht – Vorwurf der Verwendung von NS-Vokabular
Und selbst diese Aufregung nützt der AfD: Wir Medien springen über das Stöckchen und halten sie im Gerede. Am rechten Rand erkennt man das Signal, während ihre bürgerlichen Wähler der Presse vorwerfen, die AfD wegen eines Zufalls schon wieder zu stigmatisieren.
Dabei ist der Trick schnell entlarvt: Wäre alles ein Versehen gewesen, wäre es anständigen konservativen Parteien so peinlich, dass sie den Termin verlegt hätten. Zum Beispiel so, dass er nicht mehr so unpraktisch in den Sommerferien liegt. Dass die Partei das Datum trotzdem ausgewählt hat, muss wichtige Gründe haben.
